2 Podcaster - 2 Mikros - aber welche?


#1

Moin!

Ich hab mir jetzt ne Menge durchgelesen und weiß immer noch nicht, was ich denn jetzt anschaffen soll/muss. Für mein Soloprojekt bin ich ganz gut ausgerüstet. Jetzt wollen wir zu zweit senden. Zwei Frauenstimmen. Das heißt, ein Mikrofon, das mehr Wärme/Bässe einfängt, wäre natürlich von Vorteil.

Als Amplifier hab ich mir jetzt das Steinberg UR22 ausgesucht. Als Mikros würde ich sehr gerne zwei Shure SM58 nutzen (empfohlen zuletzt von Viertausend Hertz). Frage: Brauche ich jetzt zwingend noch einen Vorverstärker dazu, weil wegen zu leiser Aufnahme von dynamischen Mikros? Davon war nämlich die Rede im Podcast. Da das alles Hobby ist, wollte ich jetzt nicht noch 3 Mal Weihnachten feiern müssen, um die Kohle zusammen zu haben :wink: - das halten meine Nerven nicht durch…

Freue mich über Hinweise.

Frohe Weihnachten und so

Nora


#2

Nehmt mit 24bit bei 44.1 oder 48kHz auf und dreht die Verstärkung nur so weit auf, dass Spitzen im Ausschlag auf max. -10dB kommen, damit auch genug Headroom für Lacher oder ähnliche Lautstärkeexplosionen ist. Den Rest kann man dann in der Software hochziehen.

Die SM58 muss man (wie bei allen Bühnenmikros) recht diszipliniert in immer gleichem Abstand zum Mund halten. Wenn ihr das könnt, dann sind die eine durchaus gute Wahl. Testet aber vorher, ob die zu Euren Stimmen passen (was übrigens für alle Mikros gilt, egal welcher Bauart oder Montageform).

Headsets / Nackenbügelmikros haben den Vorteil, dass man ungezwungen sprechen und gestikulieren kann, da sich das Bügel um den stets gleichen Abstand zum Mund kümmert. Ich habe einen Klangvergleich zwischen dem SM58 und einem Nackenbügelmikro hier im Sendegate gepostet.

Bei Bühnenmikros kann man sich für den Einstieg mit dem folgenden Trick den richtigen Abstand und eine passende Position angewöhnen:

  • Das Mikro direkt hinter dem Korb greifen.
  • Daumen weit abspreizen - die Daumenspitze berührt gerade eben das Kinn
  • Das Mikro so halten, dass es schräg nach vorne unten zeigt (ca. 45 Grad).

#3

Spricht etwas gegen ein “richtiges” Headset, wie das DT297 oder HMC660?
Bester Klang, einfachstes Handling.


#4

Mit dem Steinberg hast Du eine gute Wahl getroffen. Das mit dem SM58 kann ich nicht so ganz nachvollziehen, denn es liefert einen vergleichsweise schwachen Pegel. Das wird zwar das UR 22 nicht überfordern, aber ich finde dieses Teil nicht so geil, wie es immer gehyped wird.

Fairerweise: Die meisten dynamischen Handmikrofone eiern tatsächlich so um die 1,7 bis 18 mV/Pa rum. So gesehen ist es eins unter vielen anderen. Da kann man sich in der Tat auf den Klang konzentrieren.
Ich mag dieses Shure (aber nur dieses!) trotzdem nicht, wie hier schon oft zu lesen war. Zumal ich ein bekennender Sennheiser-Fan bin; in dem Fall wäre es das e835 (2,7 mV/Pa).
Die gesparten 20 Euro reinvestiert man in einen amtlichen Poppschutz (MZW1) statt in so ein Billigteil, das einem dann wieder ganzen Sound vermupfelt.
Praxiserfahrung.

Ich habe beide Mikrofone hier, und wenn ich sie zeitgleich identisch anspreche, ist der Unterschied auf herkömmlichen Lautsprechern und Ohrstöpseln im Blindtest kaum auszudifferenzieren. Zumindest mit meiner Stimme (und zu meinem Leidwesen).

Meine Empfehlung lautet daher: Tut eurem Steinberg - und der gesamten Produktion - diesen Gefallen mit dem Sennheiser statt dem Shure.
Preislich ist nach oben natürlich unheimlich viel realisierbar, aber ich habe mich gerade mal so auf die “um die 100 Euro”-Schiene konzentriert.

Viel Erfolg!


#5

Meine Erfahrung mit Headsets bis jetzt: sie klingen nicht so warm. Das ist bei bassigen Männerstimmen kein Problem, bei Frauenstimmen fehlt aber genau diese Wärme. Dann klingen die Stimmen flacher.


#6

Ich nutze auch ein UR22 von Steinberg. Daran kann man ein Sennheiser e835 gut betreiben. Das setze ich stellenweise genau in dieser Kombination ein. Mittlerweile wundere ich mich, dass Sennheiser diese Stärke nicht mehr in den Vordergrund rückt.
Für andere Mikros mit weniger “Output” würde ich nicht mehr die Hand ins Feuer legen. Da wird’s knapp.
Natürlich bestehen immer auch die von @rstockm erwähnten Optionen. Wie immer mit noch fehlendem Modell im mittleren Preissegment. Geschmacksache.


#7

Hm. Konkret diese beiden schon mal ausprobiert? Die klingen (identisch) schon sehr bass-stark. Das SM58 zeichnet sich dadurch aus, dass es als DAS Bühnen-Gesangs-Mikro eine sehr spezielle Aufnahme-Charakeristik hat: sehr unempfindlich (wenig von den anderen Musikern wird mit aufgenommen, insbesondere Drums) und man muss es “aufessen” um an einen guten Klang zu kommen. Im Ergebnis schneidet es auch dann immer noch ziemlich viel von den Höhen ab: was dann zwar in einem “warmen” Klang mündet, der aber dadurch erkauft wird, dass die Klarheit oder auch der “Schmelz” einer Stimme leidet, sprich: Charakter. Das ist bei Gesang egal, da sich diese Höhen gegenüber etwa der HiHat oder Becken in einem Musik-Mix eh nicht durchsetzen, für Podcasts ist das weniger wünschenswert, so dass man da eher mit einem EQ wieder gegensteuern würde.

Die DT297/HMC660 sind deshalb so beliebt, weil sie sie out-of-the box eine nahezu perfekte Frequenzabbildung bieten und man am EQ eigentlich gar nichts mehr machen muss. Das sind aber auch die EINZIGEN uns bekannten Headsets bei denen das auftritt, alle anderen klingen mehr oder weniger Mist.

Hier kann man sich da mal etwas durchhören, da sind die dabei ebenso wie mein SM58:


#8

Deine Aufnahmen hab ich mir gestern alle durchgehört :slight_smile: Klingt bei dir super. Ich hätte das halt gerne mal mit einer Frauenstimme im Vergleich. Ihr Jungs seid ja doch alle sehr basslastig. Das “Gute” am Aufessen ist, dass es weniger Raumhall mitnimmt. Ich hab nämlich kaum Chancen, den Raum ordentlich stumm zu machen. Von daher finde ich das ganz gut.

Wenn ich zwei Headsets anschließe, kann ich die dann beide per USB direkt in den Rechner packen? Oder brauch ich dann auch trotzdem den Amplifier?


#9

Das UR22 brauchst du dann genauso. Ausnahme ist wie gestern in meinem https://sendegate.de/t/weihnachts-special-das-hmc660x-direkt-an-iphone-smartphone-rechner-anschliessen/4565?u=rstockm beschrieben das HMC660, aber davon bekämest du dann nur eines direkt an den Rechner, nicht zwei.


#10

OK, dann hab ich das soweit richtig verstanden. Dann werde ich wohl doch eher in das Zoom H6 investieren, weil das kann ich dann immerhin noch für’n Job nutzen. Das würde ja als Amplifier funktionieren, right? Und dann check ich mal die Sennheiser E845 aus. Das von dir vorgeschlagene Headset ist schick - aber davon 2 Kaufen… so viele Weihnachten gibt’s grad nicht :wink:


#11

Für weniger Geld als das UR22 bekommst du auch das hier - hat vier Anschlüsse, was früher oder später nützlich sein kann:

https://www.thomann.de/de/behringer_umc404hd.htm?ref=search_prv_11?Partner_id=60110


#12

Du glaubst also, ich mach weiter, wa! :wink: Danke für den Tipp!


#13

Ich gebe kurz meinen Senf auch dazu, weil ich Erfahrungen mit den Geräten von Steinberg habe. Die Vorverstärker vom UR22 etc sind sehr gut.
Ich bin ein großer Fan vom SM58. Ich persönlich tendiere aber auch eher zu Großmembranmics. Ich kann da MXL sehr empfehlen als Preis-Leistungs-Sieger. Bei der Nachbearbeitung in der Kombi URxx und MXL Mic mache ich nur etwas EQ Höhen und etwas Kompression und fertig.
Die Suche nach dem richtigen Mikrofon hat mich auch richtig Zeit gekostet. Wenn Du einen Laden vor Ort hast, frag mal, ob Du da ein paar Mikrofone ausprobieren kannst.


#14

Der Tipp lautete allerdings auf das 835er.
Das 845 ist eine Superniere mit dann nur noch (üblichen?) 1,8 mV/Pa.

Der Tipp mit dem Behringer ist unzweifelhaft günstig, aber in meinen Augen leider auch billig. Zumal ich den Behringer Vorverstärkern, gerade bei schwächeren Mikrofonen, nicht weiter traue als ich sie werfen kann (leidvolle Erfahrungen an Mischpulten).

Wer wirklich 4-kanalig in die Zukunft investieren möchte, sollte auf der Steinberg-Schiene bleiben (UR44). Ich habe erst vor kurzem ein UR242 geholt, obwohl ich schon die gute Focusrite Scarlett 2i2 hatte. Man verbessert sich immer. Die Focusrite gebe ich weg, obwohl sie gute Aufnahmen macht.
Aber ein Behringer Vv mit Dynamikern unter 2 mV/Pa? Ich weiß ja nicht…

Nur kommen wir langsam wirklich in den Bereich der Budgetsprengung.
Wenn der Raum nun mal keine Akustik für ein Großmembran-Kondensatormikrofon her gibt, investiert entweder in Raumakustik (eins meiner Lieblingsthemen, auch da geht es u.U. trotz allem günstig zu) oder in passende Mikrofone.
Es ist sinnfrei, Großmembran-Kondensatoren in Aufnahmeräumen mit Raumhall einzusetzen.

Gerne übersehen wird aber, dass es auch dynamische Großmembranmikrofone gibt. Nur fängt es da an, teurer zu werden - und stellenweise brauche ich auch saugute Vorverstärker. Da wird’s für das Behringer schon ziemlich eng.

  • Das Shure SM7B klingt gut, braucht aber ausgezeichnete Vorverstärkung.
  • Das Rode Procaster soll etwas zu stark mittenlastig sein.
  • Der wohl berühmte “Elefantenpimmel” - EV RE 20 - soll etwas taub sein.
  • Sein Bruder hingegen, das EV RE 27, soll 'n Tacken besser sein.
  • Das deutlich günstigere EV RE 320 punktet mit besseren Werten und wird als Geheimtipp gehandelt.
  • Audio-Technica hat mit dem BP40 auch einen interessanten Kandidaten am Start, der von der Kritik aber als zu stark mittenbetont für den Preis zerpflückt wird.

Eigene Erfahrungen habe ich nur mit dem Shure SM7B (in einem fremden Studio). Das hing allerdings auch an einem Vorverstärker von Presonus.

Ich sag’s euch nur: Überlegt euch gut, wie ihr investiert.


#15

Ich habe mal auf die Schnelle eine Einsprechprobe produziert:

  • Sennheiser e835
    gegen
  • Shure SM58

… an einem Zoom H5 als Audio-Interface, beide auf Poti 6 ausgepegelt, 48 kHz.
Kein Poppschutz, kein LowCut, akustisch unsaubere Umgebung.
Zeitgleiche Aufnahme auf zwei Spuren, Mikrofone nebeneinander auf Stereoschiene A/B mit minimalem Abstand, identisch angesprochen.

Nachbearbeitung:
Audacity auf Windows 10 (ja, steinigt mich!), nur Schnitt und Blende, weiterhin ReplayGain auf 91,3 dB (was übrigens zu unterschiedlichen Verstärkungswerten führte!). So ist gewährleistet, dass im Blindtest keiner sagen kann, das schwächere / stärkere Mikrofon müsse ja das [xyz] sein.
Konzentriert euch auf den Klang.

Mikrofon A:

Mikrofon B:

Nur: Welches Mikrofon ist welcher Buchstabe?
Welche Aufnahme sagt euch eher zu?


#16

leider sind keine Audiodaten angehängt?
(Update: funktioniert wieder)


#17

Ich habe keine Ahnung, aber das Mikro A hat für mich ein Tick mehr Volumen.
Deswegen würde ich dieses bevorzugen.


#18

Auf einem recht guten Kopfhörer abgehört: beides prima, extrem dicht beieinander, auch der Rauschpegel ist vergleichbar. Könnte hier in einem Blindtest mit Sicherheit keine verlässliche Unterscheidung vornehmen.


#19

Vielen Dank für deine Mühe! Klingen beide gut, finde ich. Also besser als mein Apogee in unsauberer Umgebung. Das braucht vor allem auch nen Pop-Schutz. Ich bilde mir ein bei Mirkofon B sind die Zischlaute schärfer zu hören. Und es klingt ein ganz klein wenig - tja - ich glaube ich würde als metallischer bezeichnen. Hab aber jetzt auch via Rechner gehört und nicht via Kopfhörer. Da ist der Höreindruck ja dann - je nach Kopfhörer - auch noch mal anders.

Ich habe mich jetzt einfach für das Zoom H6 entschieden und zwei Sennheiser e845. Die liegen aber leider bei der Post, so dass ich bis nächstes Jahr warten muss mit ausprobieren. Ergebnis gibt’s dann hoffentlich bald im neuen Podcast. Den stell ich dann auch hier vor!

Tausend Dank für eure vielen Empfehlungen! Rutscht gut ins Neue Jahr!

Nora

P.S. wie ist denn eigentlich jetzt die Auflösung, @UliNobbe? Welches Mikro ist A) und welches B)?


#20

Warum nicht die empfohlenen e835? Die wären günstiger und kommen am H6 (und allen anderen Interfaces) besser zurecht.