10 Minuten oder nicht?

Im Schnitt hören sich bei https://www.reisepassnummer.de 30% aller Hörer eine Folge ganz an. Zu mindestens der Spotify-Hörer. Die kann ich am besten analysieren. Beispiel zur aktuellen Episode:

Bei allen Episoden sehe ich bei ca. 10 Min. (+/- 2 Minuten) einen letzten Drop. Fast alle die bei 10 Min. noch dabei sind, bleiben bis zum Schluss.

Bis jetzt sind alle meine Episoden länger als 10 Minuten. Ich überlege jetzt aber zukünftige Folgen anders zu planen und in 10 Minuten Episoden aufzuteilen. Ich bin mir aber gar nicht sicher, ob das überhaupt Sinn macht. Da ja die Leute, die bei 10 Min. noch dabei sind eh am Ende noch da sind.

Es kann ja auch sein, das die Episoden an sich einfach zu langweilig sind oder an der 10 Min. Marke langweilig werden. Dann wäre die künstliche Verkürzung auf 10 Min. auch keine Lösung.

Das hier ist weniger eine Frage, als mehr eine Niederschrift eines Gedankens. Mich würde Eurer Vorgehen interessieren.

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Der Drop scheint mir jetzt nicht so signifikant, dass ich das ganze Format dafür umwerfen würde. Das scheint mir jetzt nicht unnormal. Ich hab mal in die letzte Folge reingehört. Ich vermute das könnten hier viele mit genaueren Stats bestätigen.

Wo ich persönlich Podcasts meistens früher beende ist, wenn’s in längere Verabschiedung und Hausmeistereien geht, oder wenn ein anstrengender Gedankengang sich ewig zieht, also inhaltlicher Kram, aber das ist bei der Folge ja auch nicht der Fall.

Wie ist denn das bei anderen Folgen? Du hast ja auch welche die deutlich länger sind, und mindestens eine die 11 Minuten lang ist. (Die Zug-Folge ist übrigens echt toll, bin froh dass ich reingehört habe. :train: :+1:)

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Also wenn Spotify auch nur im Ansatz Nutzer:innen-Dynamiken hat wie YouTube, dann ist das für mich keine Überraschung. Es gibt immer einen Großteil der Aufrufe, die nur ganz kurz (manchmal echt nur Sekunden) in den Beitrag reinhören/-gucken und dann weiterspringen, andere skippen sich so durch und bekommen nur einen Bruchteil mit.

Bei YouTube sehe ich ebenfalls so etwa 30 - 50%, die bis zum Schluss durchhalten, der Rest springt früher ab. Bei YouTube hat sich deswegen etabliert, am Anfang was großes fürs Ende anzukündigen, im verzweifelten Versuch, die Leute bei der Stange zu halten. Das ist manchmal nett und organisch, viel zu oft aber echt lästig und fake (“Bleibt bis zum Ende, für eine Chance, eine Playstation zu gewinnen”).

Das sieht bei YouTube in den Analytics so aus:

Meine Herangehensweise ist: Ich überprüfe, ob meine Story besser erzählt werden kann, sodass sie spannender ist und mehr Leute bei der Stange hält. Wenn ich aber selber mit dem Produkt zufrieden bin, und ich das auch über Feedback bestätigt sehe, dann bleibe ich dabei. Ich würde nicht mein Format über den Haufen werfen, um YouTube/Spotify Metriken nach oben zu optimieren, denn dann ist man schnell bei inhaltsleerem Clickbait. Denn da sind die Zahlen am besten.

Hinzu kommt: Ohne Daten zur Untermauerung zu haben, würde ich mal anzweifeln, dass die Nutzung bei konventionellen Podcastplayern genauso aussieht. Bei Spotify (und YouTube besonders) ist der nächste Inhalt immer nur einen Klick weit weg. Die Plattform lädt geradezu dazu ein, zwischen Inhalten zu springen und nichts zu Ende zu hören. Bei Podcastplayern hingegen gibt es nur das zu sehen, was man vorher selbst eingepflegt hat. Kein Algorithmus, kein “Ähnliche Inhalte…”, keine Banner mit Werbung für Stuckrad-Barres nächste dolle Nummer.

Das Ganze erinnert mich an Musikkonsum: Wer hört auf Spotify ganze Alben zu Ende anstatt nur ein paar Songs hier und ein paar Songs da? Und wer springt genauso bei physischen Alben auf CD? Ich denke, die kurze Verweildauer gehört bei Plattformen wie Spotify und YouTube einfach dazu. Man könnte soweit gehen, dass das zum Design gehört: wer nie etwas zu Ende hört/guckt, ist auch nie “fertig” mit dem Medienkonsum und bleibt so länger dabei. Deswegen gibt es UX-Designentscheidungen, die genau darauf abzielen, die Nutzer:in immer weiter zum nächsten Inhalt zu leiten.

Bottom line: Zerbrich Dir nicht den Kopf. Vielleicht gibt es bei der Zehnminutenmarke ein oder zwei Dinge, die Du optimieren kannst, vielleicht kannst Du ein paar Inhalte raffen. Wahrscheinlich aber hat das Verhalten nur zum Teil mit dem konkreten Inhalt zu tun, und zum großen Teil was mit der Plattform.

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Ich glaube du fragst die falsche Frage. Statt dir von der Statistik dein Format diktieren zu lassen könntest du dich fragen “welche Länge und welches Format brauche ich um das gut zu sagen was ich sagen will”.
Die Leute, die das anspricht bleiben dann auch bis zum Schluss. Umgekehrt kannst du nicht gewinnen. Wenn du auf 10 Minuten kürzt wirst du alle Hörerinnen verlieren die bisher gerade die Länge schätzen und die verbleibenden Statistiken zeigen dir dann trotzdem weiter einen drop.
Ansonsten will ich noch hinzufügen dass Spotify Hörer nicht notwendigerweise repräsentativ sein müssen und selbst wenn das so wäre sähe dein drop für mich unkritisch aus …

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Also @dirkprimbs spricht mir aus der Seele. Am Ende des Tages machen wir doch Podcast, um über ein Thema reden und nicht einer gewissen Zielgruppe ihre Bedürfnisse zu befriedigen. Gerade beim Podcast findet die Zielgruppe das Angebot und nicht anders herum. Bzw. der Versuch, anhand von Statistiken heraus zu finden, was Dein Publikum wünscht, kann nicht von einem einzigen Faktor abhängen, den eine Plattform meint gemessen zu haben.

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Also ich mache schon Podcasts, um auch Leute zu erreichen. Wenn ich mehr Leute mit 2 x 10 Minuten, als mit einmal 20 Minuten erreiche, dann ist das für mich eine wichtige Information. Ob ich den Schnitt dann wirklich mache, ist natürlich eine ganz andere Sache (siehe Diskussion, ob Spotify repräsentativ ist).

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Ok, dann vielleicht so:
Wenn dein Format und dein Inhalt genauso gut in 10 Minuten ausgedrückt werden kann, dann los. Dann war dein Podcast schon jetzt zu lang. Wenn es nur um das Erreichen von mehr Leuten geht und Inhalt wie Format dem untergeordnet ist - auch gut, wäre halt nicht meine Priorität. Brauchst du eigentlich die Länge für deinen Inhalt und machst dir nur Gedanken um den drop - arbeite Mal systematisch an Delivery, Audio, erzählerische Struktur und versuche darüber die Zahl zu beeinflussen…

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@dirkprimbs: Ich glaube ich habe noch nicht klar dargestellt, worum es mir geht: Ich kann mein Material problemlos aufteilen. Also “problemlos” ist vielleicht etwas übertrieben, aber ich mache einen Reisepodcast und da kann ich anstatt einer 20-minütigen Folge über xyz auch zwei 10-minütige Folgen über xyz machen und die im Wochenabstand rausjagen. Und es geht mir nicht “nur” um das Erreichen von Leuten. Aber ich lebe auch nicht in einem Elfenbeinturm. Mir ist es wichtig, das ich a) den Zuhörern keine Lebenszeit stehle und b) das meine Message (welche auch immer) von möglichst vielen interessierten Leuten gehört wird.

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Stimmt, der Drop ist nicht dramatisch. Ich versuche halt konstant besser zu werden und deshalb habe ich den Gedankengang einmal hier reingestellt.

Ähnlich. In den ersten 1-3 Minuten verliere ich am meisten. Das stört mich aber nicht weiter. Es ist logisch, das der Podcast nicht für alles was ist. Alleine schon deshalb, weil ich Englische O-Töne nicht übersetzte.

Mich beschäftigt eher der 10 Minuten Drop. Und ich gebe Dir Recht, er ist nicht dramatisch.

Bei der nächsten noch nicht fertig geschnittenen Episode überlege ich mir mal, ob ich das ganze sinnvoll und spannend in kleinere Happen unterbringen kann. Wenn das geht, probiere ich es mal. Wenn das nicht geht, dann lasse ich es so wie es ist.

Danke! Das freut mich natürlich sehr. :grinning:

Ich weiß ja nicht wie der typische Spotify Konsument seine Inhalte hört aber das klingt fast so als würdest Du für deine Hörerinnen die Pausetaste drücken :wink:
Mein Gefühl: Wer sich heute in der Mitte Deines Podcasts abwendet statt zur Not die Pause Taste zu drücken und später weiterzuhören wird sich mit einfach auseinanderdividierten Episoden auch nicht leichter tun. Aber wenn es wirklich so einfach machbar ist, dann versuch’s doch einfach. Veröffentliche ein paar kurze Episode, achte auf die Statistiken und auf Dein Feedback. Ist Dein Podcast, sind also auch Deine Regeln :slight_smile:

Ich persönlich habe mit dem Anerzählt einen Podcast, der ganz grundsätzlich unter 10 Minuten bleibt (mit wenigen Ausnahmen) und bei einer etwas “abgehangenen” Folge auf Spotify sieht das dann so aus:

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Zumindest bei mir hatte die kurze Länge also beim Spotify Publikum keine positiven Effekte. Allerdings halte ich Spotify auch für eine ganz schlechte Quelle. Es sei denn Du hast Inhalte, die auf ein junges musikaffines Publikum optimiert sind.

Zum Vergleich: Die selbe Folge bei Apple Podcasts
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Und selbst die beiden Quellen taugen nur begrenzt. Die Zahlen, die ich in Podlove sehe sind zwischen 10 und 20x höher als die Statistiken, die Apple und Spotify nahelegen. Auf der Basis würde ich für meinen Teil jetzt nicht unbedingt am Format rumbasteln…

Trotzdem wäre ich sehr interessiert daran von Dir zu hören falls Du es wie vorgeschlagen einfach mal ausprobierst. Vielleicht wirkt es sich ja beim richtigen Podcast ganz dramatisch aus und vielleicht ist Dein Format einfach viel besser geeignet als meins :wink:

//D

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Das sieht ja zu hundert Prozent so aus, wie ich zusammenspekuliert habe.

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Wenn man die Daten von verschiedenen Podcasts sammelt, könnte man feststellen, ob es einen typischen Abfall bei Spotify gibt.

Ob es die gleichen Hörer sind, die bei verschiedenen Episoden früh aussteigen, immer andere, die also eine Episode durchhören aber eine andere nicht, oder immer neue, gibt die Statistik vermutlich nicht her, oder?

Bliebe noch die Frage, ob Unterschiede in den Statistiken an Unterschieden der Erfassung von Spotify und Apple liegen.

Nein, die Statistik ist anonym.