Wie oft hört ihr einen selbstproduzierten Podcast / wie sieht die QS aus?


#1

Nacdem ich gestern Abend mal wieder die Wochendämmerung nicht vernünftig hören konnte, weil die Spuren vermischt waren, frage ich mich, wie sieht eure QS aus?

Wie oft hört ihr die Podcasts ab, bevor sie auf dem Server landen und zum Download angeboten werden?

Bei mir / uns ist es so:

  1. Aufnahme; dabei höre ich natürlich das Gesdpräch / Geräusche und Musik, aber nicht die Summe der Spuren.

1.5 Einmaliges durchhören in einfacher Geschwindigkeit, um Schnitt- und Editmarker und Marker für Kaitel zu setzen.

  1. Falls ich verantwortlich bin, erzeuge ich die eine Spur mit den Inhalten (schneiden / edieren) und höre alles erneut ab. In den meisten Fällen war es das dann auch, dann geht die “Sendung” online.

  2. Manchmal höre ich mir krtitische Passagen erneut an.

Zwischen 2. und 3. gehen meine Produktionen noch einen Zwischenschritt: Probehören bei Dritthörern, die weniger auf den Inhalt, als auf die akustische Qualität achten!

Wie macht ihr das?


#2

Wow, du hast wirklich eine hohe Qualitätssicherung.
Darauf hätte ich weder Lust noch die Zeit dazu: Ich nutze doch nicht Technik, die mich unterstützen soll, wenn ich am Ende doch die Bits selbst in die mp3 klöppeln muss.

Die erste Qualitätssicherung startet bei mir vor der Aufnahme: Pegeln. Da das Set bei mir meist sehr ähnlich ist, zwischenzeitlich ein No-Brainer. Aber so vermeide ich eben die klassischen Probleme, wenn bei einem Gespächspartner der Pegel nicht passt.

Dann geht die Aufnahme los. Und ich muss, muss, muss mich auf das Audio-Tool verlassen, dass es in der Aufnahme keine Selbstläufer macht. Vielleicht habe ich in Testaufnahmen festgestellt, dass ich Konfigurationsänderungen vornehmen muss. Aber wenn es um die echte Aufnahme geht, verlasse ich mich auf meine Config und die Technik. Sonst kann ich mich ja gar nicht auf den Podcast konzentrieren.
Ich setze übrigens Editmarken und Kapitel während der Aufnahme - das mag jedoch formatspezifisch sein.

Die zweite Qualitätskontrolle findet bei mir beim groben Gegenhören statt:
Ich kontrolliere Start und Ende des Podcasts (klar, ich muss da ja schneiden) und den Satz der Kapitel-/Editmarken. Hierbei bekomme ich ja immer einen kleinen Ausschnitt des Podcasts mit und das reicht mir als Sample. Grobe Schnitzer wie 50Hz-Brummen, zu leise oder zu laute Bereiche erkenne ich aus dem Ausschlag in der Aufnahme und kann gegenwirken, wenn ich will.

Die letzte Qualitätskontrolle ist nach dem Rendering durch Auphonic: Einfach noch einmal zur Sicherheit reinhören, ob Beginn und Ende korrekt gesetzt sind - leider zu häufig passiert, dass ich im Flow dann doch vergessen habe, zu schneiden. Wenn ich weiß, dass ich kritische Teile habe, wo ich erheblich geschnitten habe, höre ich mir den Bereich noch einmal an.

Ich höre nicht die gesamte Episode nach und gebe sie auch nicht vorher an Dritte o.ä. . Ich will und muss meiner Konfiguration und der Technik vertrauen.

tl;dr:

  1. Vorbereitung: Pegel und korrekte Konfig prüfen
  2. Grobe Prüfung auf Live-Pegel/Spurkonsistenz beim Schnitt/Korrigieren von Kapitelmarken
  3. Grobe Prüfung korrekter Schnitt nach Postproduction

#3

Bei mir höre ich die Stellen meist deutlich mehrfach:

  • Bei Interview/Erstellen/Aufnehmen des Rohmaterials
  • wenn es mehrere Aufnahmen gibt: bei der Auswahl - dann teils auch mehrfach im A/B-Vergleich
  • initiales Durchhören und Markieren zu bearbeitender Stellen, Grobvorschnitt Anfang/Ende
  • bei mehreren Spuren: nach initialem Normalisieren teils wiederholter Abgleich der Grundlautstärken zueinander
  • bei mehreren Spuren: mehrfaches Anhören markanter Stellen (Klatschen, Niesen) zur Zeitsynchronisation (wobei das in der DAW auch sehr gut grafisch geht)
  • an jedem Schnitt: dort immer wieder die Schnitt-Stellen ab das auch sauber und unauffällig genug ist (gerade bei "äh"s, Stolperern, Pausen, Wiederholungen - aber gerade bei letzteren ist die Betonung meist abweichend)
  • bei Einstellung von Kompressor und Limiter - wieder mehrfach und nur an den markanten Stellen
  • zur Einstellung der Lautstärke bei Materialübergängen - wieder mehrfach und nur an den markanten Stellen
  • zur QS noch einmal komplett durch

…und das reicht dann auch erst mal.
:wink:


#4

Respekt! Was kann ich von Dir testhören?

NACHTRAG:

Hab’s gefunden, höre gerade. Klingt wirklich gut.


#5

Nach der 3. pendelt es sich so ein:

  • Bei der Aufnahme für die Pegel etc. mal eine Minute Plauderei aufnehmen und direkt reinhören.
  • In Reaper höre ich alles ein Mal durch, werfe dabei aber auch gleich kritische Stellen raus
  • Diese Version kriegt die Frau des Hauses, die mich dann mit Timecodes und Kommentaren bewirft
  • Paralell mache ich den Feinschnitt und packe mir den Mastermix aufs Handy. Höre das nochmal unter Realbedinungen, z.B. im Auto an.
  • Korrekturen und raus damit
  • Nach dem Upload lasse ich 2-3 Testhörer ran und höre selbst nur noch kurz rein. Einfach um zu sehen, was Auphonic damit angestellt hat. Ich traue dem noch nciht so.

Ich denke, das ist ein guter Kompromiss aus Arbeit und Qualität. Und die kleinen Schnitzer die drin bleiben machen das Ergebnis auch menschlicher, persönlicher.


#6

Das sehe und höre ich auch so und immern wenn einer “meiner” gehörten Podcasts soetwas “liefert” freue ich mich, wenn es dennoch gut hörbar bleibt.


#7

Mein bisher bestes Interview/Feature ist IMHO Heather Dale - Celtic Avalon Show - mit der Mischung aus Interview (in leider lauter Umgebung) und den Musikeinspielern - teils als Bett eingefaded, teils hart geschnitten.

Und ja, ich muss die Materialien die ich hier habe demnächst auch mal schneiden und raushauen. Ist’ schon vel zu lang…


#8

Oh mein Gott.
Ihr macht euch ja einen Wahnsinnsaufwand!

  • Ich höre bei Aufnahme natürlich direkt mit,
  • Beim editing höre ich die Folge natürlich auch durch, meist aber in erhöhter Geschwindigkeit
  • Ich habe meine eigenen Podcasts außerdem abonniert und höre die dann ganz normal wie alles andere in 2x Geschwindigkeit, auch als End-Kontrolle ob alles so ist wie es sein soll.

#9

Für meinen Podcast ist der Workflow so, dass ich meine Aufnahmen nicht nochmal anhöre im Editor. Die Übergänge zwischen einzelnen Schnipseln (Intro-Teile, der Hauptteil, Musik, Outro) höre ich im Editor, um festzustellen, ob da nichts schief überlappt, oder zu lange Stille ist. Und dann hab ich den Podcast auch selbst abonniert, und höre mir den am Tag nach der Veröffentlichung der jeweiligen Teilfolge nochmal an. Wenn da kein Problem auffällt, kann danach das Audacity-Projekt gelöscht werden, aus dem ich notfalls eine neue mp3 exportieren könnte.

Bisher ist es nur selten vorgekommen, dass ich eine Datei nochmal neu basteln musste, aber die Option behalte ich trotzdem. Was ich länger aufhebe, sind die einzelnen Schnipsel, die zu einer Folge zusammengesetzt wurden. Da halte ich aktuell drei Jahre vor. Ausnahmen sind die drei Krankenhaus-Folgen, deren Bestandteile ich nicht gelöscht habe. Und die fertigen mp3 habe ich alle noch da, also inzwischen 12 Jahre.


#10

Ich mache es so:

  1. Aufnehmen (und dabei mithören).
  2. einmal durchhören und Kapitelmarken setzen, überflüssigen Kram am Anfang und Ende wegschneiden
  3. fertige Version mit Kapitelmarken nochmal hören und ausführliche Shownotes dazu schreiben

Also im Prinzip höre ich nach dem eigentlichen Aufnehmen nochmal zwei Mal alles durch.


#11

Bei mir kommt das auf den Podcast an. Bei BCS Weekly lief es zuletzt auf Grund der wöchentlichen Episoden und der Aktualität so: Aufnehmen, Aufnahme fertig, Anfang - Ende schneiden, zu Auphonic, fertig. Release wenige Stunden nach der Aufnahme.

Bei allen anderen Podcasts läuft es eigentlich ähnlich, ich schneide Anfang und Ende zurecht. Gab es Störungen oder Pausen die zuschneiden sind, hab ich die rausgeschnitten. Vielleicht noch das ein oder andere zu lange “ääähm” oder überflüssige Stille.

Hab ich beim Aufnehmen zuverlässig Kapitelmarken gesetzt, gehe ich diese einzeln durch und schiebe sie nochmal an die passenden Stellen und gleiche mit den Sendungsnotizen ab ob etwas fehlt.


#12

Je nach Podcast.

Wenns nur vor mich hin sabbeln ist, mach ich mir ne Editmarker an kritischen Stellen.

Bei andern hör ichs nochmal durch, weil ich ja eh noch Shownotes mache.

Für den finalen Mix klicke ich die potenziellen kritischen Stellen nochmal durch, was im Normalfall laute Passagen sind, die ich nicht clippen haben möchte.

Dann noch die Standards: auf mono abhören(ich mach manchmal stereo-podcasts) um zu schauen, ob es Phasenauslöschungen gibt(wenns nach Röhre klingt, muss ich nochmal ran, sonst passt das schon).
Und: nochmal auf minimalster Lautstärke durchhören, zumindest durchklicken. Dabei stell ichs so leise wie möglich am Kopfhörerausgang. Speziell bei gebauten Beiträgen kann ich so hören, ob die Lautstärken soweit gut ausgepegelt sind oder ob Teile zu leise/zu laut sind. Bei normaler Lautstärke kann man das nicht beurteilen.

Achja: ich versuche störende Frequenzen in meiner Stimme mit dem Equalizer rauszunehmen, damit man kein Ohrenkrebs kriegt. Und ich versuche nur dort zu komprimieren, wo es absolut notwendig ist.
Ich hasse zu sehr komprimierten Sound, das klingt schrecklich. Aber das ist meine persönliche Präferenz


#13

Hallo, bei uns mache ich das je nach Aufnahmebedingungen.

Sitzen wir alle am Tisch, so sehe ich mir die Aufnahme im Gesamten an, ob mir etwas an den Tracks auffällt. Zum setzen der Kapitelmarkierungen muss ich sowieso durch. Das Ergebnis von Auphonic höre ich mir auf der Auphonic-Seite stichprobenartig an, so dass ich Intro, Outro und alle Sprecher:innen erwische. Wenn es gut läuft brauche ich hier ⅓ bis ⅔ der Aufnahmezeit.

Bei Remote-Aufnahmen mache ich das im Prinzip genauso. Als Backup machen wir oft Double-Ender.
Ist die Remote-Aufnahme schlecht, dann hole ich mir die lokale Aufnahme und ersetze die Spur.
Hier kontrolliere ich das Timing, ob alles bis zum Ende synchron bleibt. Zusammen mit dem Kapitelmarker springe ich öfter hin und her, so dass ich ca. Das 1,5-fache der Aufnahmezeit brauche.
Ggf. höre ich das Auphonic Ergebnis komplett oder bite jemanden vor der Veröffentlichung reinzuhören.

Das ist vermutlich viel zu aufwändig, das trotzdem Fehler passieren. Gefühlt ist Kapitel setzen und Shownotes zusammenstellen der größte Zeitaufwand.


#14

Also ich bin ein wenig überrascht, dass hier betont wird, dass man während der Aufnahme mithört. Ich wüsste gar nicht, wie ich sonst eine Aufnahme machen könnte.
Ansonsten kommt bei mir in der Nachbearbeitung der Opener und der Abbinder dran und da muss ich sowieso in die Aufnahme reinhören.
Da ich das Mastering auch selbst mache, kommt dazu, dass ich die Auswirkungen des EQ, Kompressor etc. an verschiedenen Stellen prüfe.
Dazu kommt, dass ich die Waveform ganz gut lesen kann und weiß, ob irgendwo etwas schief gegangen ist. Aber mit der entsprechenden Vorbereitung kann die Nachbearbeitung so gering wie möglich ausfallen. Also immer für einen guten Pegel sorgen, Übersteuerungen vorsorgen, Störgeräusche minimieren und so weiter.
So kann ich gute 2 Stunden nach Aufnahme dann die neue Episode veröffentlichen.


#15
  1. Ganz klar Qualitätssicherung bei der Aufnahme selbst: Wenn irgendwas stört, dann wird das erst gefixt, dann aufgenommen.

  2. Wenn wir über Skype/Discord aufnehmen, dann nehme ich immer meine Spur auf und eine extra Spur mit allen Gesprächspartnern. Wir erwarten dass Gäste sich selbst aufnehmen, aber wenn da was schief geht, dann gibt’s ne Rettungsspur :slight_smile:

  3. Manchmal, wenn ich den Gast schwer kriege etc., dann lasse ich noch ein Aufnahmegerät extra bei mir mitlaufen. Bei den ersten Folgen von Cinematic Smash Bros hatte ich einen Zoom H1 zusätzlich am Lineout vom H6 dranhängen. So hätte ich selbst bei SD Karten Problemen wenigstens eine Stereospur gehabt. Wir haben es uns auch angewöhnt alle Aufnahmen direkt nach Aufnahme in Dropbox bzw. OneDrive hochzuladen (zum Ausstausch, aber auch zur Sicherung).

  4. Fast alle Folgen schneidet mein Partner René (Der ist hauptberuflich Cutter) in Audition. Wenn er Probleme feststellt, gibt er mir Bescheid.

  5. Ich mache die Folge dann fertig (inkl. Auphonic Mastering) und lade sie hoch. Ich höre mir auch immer an, was Auphonic fabriziert hat. Ganz selten ist da ja auch mal was schief gegangen. Wenn was problematisch klingt, dann versuche ich das zu fixen natürlich. Kapitelmarken und Co setze ich dabei auch.

  6. Ich höre die Folge oft erst nach Veröffentlichung noch mal richtig. Schlechte Angewohnheit, da ich schon Folgen am selben Tag fixen und austauschen musste (Samplefrequenzproblem, Intro kommt nach 30 Minuten nochmal usw. Passiert nicht oft, aber wenn es passiert dann nervig). Ich versuche es mal so zu machen, dass ich Folgen in Castro/Overcast vorab hochlade (Sideload) oder einen speziellen Feed nutze, auf dem ich die Folge vorab veröffentliche. Ist halt oft eine Zeitfrage, und da mache ich es mir nicht leicht, weil ich Folgen gerne mal in der Mittagspause fertig mache :sweat_smile:


#16

Wow, was für ein Luxus!

Ich versuche es mal so zu machen, dass ich Folgen in Castro/Overcast vorab hochlade (Sideload)

Wie geht denn das?


#17

Naja Arbeitsteilung :slight_smile: Ich kümmer mich um die Webseite, Social Networking, Mastering, Shownotes und er schneidet (bei den langen Episoden die wir haben nicht wenig Arbeit natürlich). Das geht gut!

Das sind jeweils Pro Features. Bei Overcast kannst Du einen Account anlegen und die Datei auf der Webseite von Overcast hochladen. Die zieht der iOS Client dann. Bei Castro gibt’s einen Ordner in iCloud: Datei rein und gut ist.


#18

Danke. Unter Sideload habe ich mir etwas anderes vorgestellt.