Welches XLR-Mikro für Tascam DR-40?


#1

Normalerweise nehme ich den Podcast am Rechner auf. Ab und zu bin ich allerdings auch unterwegs und treffe Gesprächspartner “live” vor Ort. Um das Gespräch aufzunehmen, nutze ich ein Tascam DR-40. Bisher ohne Extra-Mikro, nur mit dem internen Mikro.
Das klappt an sich ganz ok, allerdings muss man dem Gesprächspartner das Gerät schon recht nahe an den Mund halten (finde ich).

Ich bin nun auf der Suche nach einem Mikro für diese Interviews. Am besten eins mit XLR-Anschluß, davon hat das DR-40 ja zwei Stück, dann kann man die ja ruhig nutzen.
Jetzt die Frage: welches Mikro? Lieber ein Headset, damit der Gesprächspartner das Mirko immer vor der Nase hat (und der Abstand usw. auch immer ok ist) oder so ein typisches “Reporter-Mikro” (keine Ahnung wie man die nennt ;))

Nachteil bei den Headsets: ich könnte nur zwei Anschließen, hätte also nur Mikros für zwei sprechende Leute. Und: ich müsste zwei Headsets kaufen = doppelte Kosten.

Nachteil “Reporter-Mikro”: man müsste das Mirko immer zwischen den Sprechenden hin- und herbewegen (hätte dafür aber kein Problem, wenn drei, vier oder sogar mehr Leute am Gespräch teilnehmen).

Was die Preisklasse angeht: ich hatte so an 50 bis 100 Euro (maximal) gedacht.


#2

Headsets spielen, meiner Meinung nach, ihren Vorteil erst bei längeren, ruhigen Gesprächen aus. Für kurze Interviews würde ich ein Reportermikrofon nehmen, besonders wenn sie sich kurzfristig ergeben.
In der Preisklasse bis 100 Euro bekommst du auch nur sehr einfache Headsets, wie diese hier.

Als Reportermikrofon würde ich z.B. das Rode M3 vorschlagen, es ist dem AKG C1000 nachempfunden, welches allerdings etwas über deinem Budget liegt. Ich kann allerdings keine direkte Empfehlung geben, da ich es selbst noch nie benutzt habe.


H4n Pro mit drei Mikros?
#3

Kurzer Hinweis zum nah an den Mund halten: Das DR-40 kann dynamisch leveln. Das heißt, die Lautstärke der Aufnahme kann ein bisschen unabhängiger von der Sprechlautstärke gemacht werden, ohne Übersteuern zu riskieren. Ich habe mit dem DR-07 da ganz gute Erfahrungen gemacht. Ohne dieses Feature hätte ich mir vor allem Soundscape-Aufnahmen, aber auch Gespräche schon häufiger versaut.


#4

Ich selber habe “nur” das C1000. Das hat für ein Kondensatormikro neben der sonst nur bei Gesangsmikros bekannten Unterdrückung von Handgeräuschen noch den besonderen Trick, dass es sich einmal auch mit 9V-Block selber mit Strom versorgen kann (oder alternativ dann per Phantomspannung) - und dass man es über einen Plastik-Aufstecker auf der Mikrofonkapsel von Niere auf Hyperniere/Keule umbauen und damit mehr zum Richtmikrofon umstellen kann. Das bringt dann im Vergleich zur Niere ein gute Stück mehr Unterdrückung von Nebengeräuschen - wenn man nicht danebenzielt… :wink:

Allerdings ist das gute Stück ein wenig empfindlich hinsichtlich von Popp-Geräuschen. Von daher sollte (und auch: braucht) man nicht so nah an den Gesprächspartner mit dem Mikro, was dann zusätzlich auch nicht ganz so intrusiv wirkt.

Apropos Preis: inzwischen gibt es das Mk.IV - ich selber habe “nur” das Mk.II und III. Und beide gebraucht ersteigert. Als Arbeitstiere funktionieren die meist auch nach Jahr(zent)en tadellos.


#5

Es liegt zwar über deinem Budget, aber ein tolles Reportermikrofon ist auf jeden Fall das Rode NTG2


#6

Was haltet ihr hiervon: Beyerdynamic M58?


#7

Das M58 hat ein Kugelcharakteristik, nimmt also Schall von allen Seiten auf. Es eignet sich für Reportagen, bei denen der Reporter nah in das Mikrofon spricht und trotzdem Umgebungsgeräusche eingefangen werden sollen.

Ich habe das M58 mal im Einsatz auf einem Weihnachtsmarkt gehört. Hier war die Atmosphäre von großer Bedeutung.

Es ist auf jeden Fall ein recht spezielles Mikrofon und ich würde es nicht als Standardmikrofon empfehlen.


#8

OK, danke für die schnelle Antwort, also benutz man als Reportermikrofon, am besten Richtmikrophone?


#9

Für Interviews sind IMHO Richtmikros zu empfehlen - zudem kann man dann das Mikro als Wer-ist-dran-Winker nutzen.
Es empfiehlt sich aber, zusätzlich auf separatem Kanal ein Kugelmikro für die Atmo (und verpatzte Ausrichtungen bzw. generelles Backup) mitlaufen zu lassen (beim Zoom-H6 z.B. die mitgelieferte M/S-Kugel).


#10

Ok, danke für das ganze Feedback.

Vielleicht nehme ich doch ein bisschen mehr Geld als geplant in die Hand, es wurden ja schon ein paar schicke Mikros vorgeschlagen.


#11

Aktuell stehe ich vor einer sehr ähnlichen Situation. Ich persönlich neige aus Gründen, die Du auch angesprochen hast, zu einem Handmikrofon.

Sicher ist darauf zu achten, dass man eines wählt, welches für dieses Szenario entwickelt wurde. Hier spreche ich von Handling Noise, also Rauschen und Rumpeln beim Anfassen/Bewegen des Mikrofons.
Weiter müsste es ein dynamisches sein, um ungewollte Umgebungsgeräusche fernzuhalten. Über die Richtcharakteristik kann man sich streiten. Manche möchten etwas sehr gerichtetes, um mehr Störgeräusche abzuwehren, andere bevorzugen eine Omni-Charakteristik, um weniger mit dem Mikro hin und her wedeln zu müssen. Die meisten Reporter-Mikrofone werden bewusst mit Omni-Charakteristik produziert.

Ein Hinweis: Dynamische Mikros fordern oft viel Gain. Preamps in portablen Recordern sind dieser Aufgabe eher selten (rauschfrei) gewachsen. Auch kleine Audio Interfaces scheitern hier oft. Um dieses (allfällige) Problem zu lösen, empfiehlt sich der Einsatz eines TritonAudio FetHead. Dieses kleine Wundergerät verwandelt die ansonsten nicht verwendete Phantomspeisung in ca. 20 dB cleanen Gain.

Bezüglich Mikrofon bin ich mir noch nicht schlüssig. Ich schwanke zwischen:

  • Rode Reporter
  • Beyerdynamic M58
  • Electro Voice RE50

Alle scheinen gut bewertet zu sein. Damit macht man kaum was falsch. Hier lasse ich mich natürlich auch gern von Erfahrungswerten anderer User inspirieren. Aber 100€ werden auf jeden Fall nicht reichen - um die 150€ sollten es wohl eher sein (Rode Reporter).


#12

Hallo,

ich würde vorher unbedingt ein paar Tests machen, vielleicht gibt es ja einen Audiotechnikverleih in deiner Nähe. Ich hatte z.B. mal ein Mikro an ein DR-40 angeschlossen, bei dem ich den Gain voll aufdrehen musste und dann fing es sehr stark an zu rauschen. Du willst also ein Mikro was von sich aus schon einen ordentlichen Ausgangspegel hat.
Bei langen Gesprächen würde ich auf jeden Fall Headsets benutzen oder gute Ansteckmikros. Ich mag ja das Sennheiser MKE-40 sehr gerne. Das gibt es manchmal günstig gebraucht bei Ebay und Co.

Bei Thomann gibt es eine Liste mit Reporten Mikrofonen:

Grüße
Udo