Shownotes, Kapitel & Co. - machen wir uns zuviel Arbeit?

Moin zusammen,

kann es sein, dass wir (damit meine ich die “Podlove-Nutzer” rund um @timpritlove, @ericteubert, @rstockm und Team) uns mit unseren Podcasts viel zu viel Arbeit machen?

Wir sind ständig auf der Suche nach guten Mikros, guter Software, tollen Workflows… wir schreiben Shownotes, bauen Kapitel und Kapitelbilder ein… bietet verschiedene Feeds mit verschiedenen Audioformaten an und vieles mehr.

Gestern traf ich dann auf “die andere Welt”… :grimacing::stuck_out_tongue_closed_eyes:

Ich war auf Facebook in einer SocialMedia-Gruppe unterwegs, da kam das Thema Podcast auf.
Grundtenor war: Podcast sind jetzt der neue heiße Scheiß und man muss da mit machen.

Und ich war erschrocken, mit wie wenig Anspruch die meisten Leute die sich dort zu Wort meldeten da rangehen.
Einfach ins Smartphone quatschen, die Audiodatei auf irgendeine Podcast-Plattform hochladen und fertig.
Kein Schneiden, keine Anreicherung mit zusätzlichen Infos, keine Optimierung der Audioqualität.
Und die Leute scheinen damit zufrieden zu sein. Hauptsache, man kann das Teil dann später bei Spotify hören.

Jetzt frag ich mich:
Machen wir uns zuviel Arbeit mit unseren Podcasts?
“Nerden” wir uns evtl. zuviel in das Thema rein?
Braucht niemand Kapitel? Liest niemand Shownotes? :thinking:

Ich hatte gestern auch kurz das Thema mit @schaarsen - wir sprachen darüber, dass ich meine Ausrüstung ändern möchte, weil ich mit dem Ergebnis der Audioqualität nicht zufrieden bin.

Denn ich mache erst mal meine Podcasts für mich! Ich will, dass sie gut anhören, inhaltlich fundiert und interessant sind. Wenn ich finde, dass er sich nicht gut anhört, bin ich unzufrieden. Wenn ich meine, dass ich inhaltlich nicht ganz auf der Höhe war, bin ich unzufrieden, wenn das ausgesuchte Thema nicht wirklich geil ist, dann kommt es nicht in den Podcast, denn sonst wäre ich unzufrieden.

Der Hörer spielt für mich erst mal keine Rolle. Ich hab mich davon frei gemacht zu gucken, welche Hörer ich wie ansprechen möchte. Und komisch, es kommen trotzdem Hörer. Es reicht sogar, dass wir ein Unternehmen davon überzeugen konnten, eine Miniserie zu sponsern.

Ich kann also Leute verstehen, denen es reicht in ihr Smartphone zu sprechen und es als Podcasts zu veröffentlichen. Wenn es ihnen reicht, be my guest. Nur die Sache mit den Plattformen, da würde ich gerne mal mit denen reden :wink:

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Wenn ich meinen eigenen Podcast Konsum so betrachte: Jein ^^

Qualität
Ehrlicherweise muss ich sagen: Der Hype um High-End Equipment und die Peniblität mancher Pre,-und Postproduktion, das Suchen nach dem “perfekten Klang” etc. geht mir in den meisten Fällen auch zu weit. Für mich müssen Podcasts und deren Inhalte authentisch und interessant sein. Da interessiert mich weniger ob er nun einen “besonderen Raumklang” hat oder nicht. Das ist mir in der Tat zu nerdig. Solange kein permantens Knarren oder andere, wirklich nervige Störgeräusche den Hörgenuß beeinträchtigen reicht mir das nahezu in jedem Podcast den ich konsumiere. Ich höre aber auch nicht in audiophiler Umgebung, sondern unterwegs, beim einkaufen, oder sonstswie “nebenher”. Für macht den Charme eines Podcasts manchmal auch aus, eben nicht zwingend auf Hochglanz überproduziert zu sein.

Kapitel
Nutze ich in nahezu allen Podcasts die ich höre.

Shownotes
Ist in der Tat so eine 50/50 Sache. Grundsätzlich sehe ich den Podcast als Audio als eine in sich abgeschlossene Sache und bin auch froh wenn innerhalb des Audiokonsums alle Themen hinreichend erörtert werden, ohne das ich permanent in Shownotes quer lesen muß. Für mich sind Shownotes immer ein “Zusatzangebot” - der Podcast selbst muss aber auch ohne Shownotes funktionieren. Interessanterweise habe ich durch dein Posting mal resümiert:
Es gibt bei mir tatsächlich Podcast bei denen ich mich IMMER mit den Shownotes beschäftige, aber auch Podcasts bei denen ich quasi NIE einen Blick auf die Shownotes werfe. Das sich das bei mir so scharf trennt ist mir vorher nicht bewusst gewesen. Ob ich mich mit den Shownotes auseinandersetze steht und fällt dabei stark mit dem Themengebiet und Ausrichtung des Podcasts und ob Shownotes eher als Zusammenfassung oder als weiterführende Informationen angelegt sind. Bei reinen Laber/Talk Podcasts werfe ich so gut wie nie einen Blick in die Shownotes, bei fachspezifischer Ausrichtung eher. Bei einigen grundsätzlich regelmäßig.

Für meinen eigenen Podcast:
Mache ich mir die Arbeit für Shownotes und Kapitel (inkl Kapitelbilder) von Anfang an gern, egal ob das jemand nutzt oder nicht. Es ist aber auch ein Podcast bei dem ich, aufgrund seiner Ausrichtung, die entsprechenden Informationen tatsächlich für einen Mehrwert halte.
Aufgrund des geringen selbst gesprochenen Anteils ist die Aufnahmequalität bei mir eher sekundär. Es ist ja nur jeweils eine Ab/Anmoderation von Musikstücken. Natürlich ärgere ich mich wenn irgendwas wirklich mies klingt - ja solche Episoden gibt es, und versuche das dann zu verbesseren. Ich schneide auch nachträglich nervige Plop und Klickgeräusche aus meiner Moderation. Soviel Zeit muß sein. Ein HQ Studio Equipment für möglichst zwanghaft “glatte” Produktionen geht mir dann aber zu weit.

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Bei mir ist es so:
Wenn ich Bock hab gibt es humorige Kapitelmarken. Oder wenn die Folge länger als miene üblichen 30 min wird.
Shownotes immer, alleine um für mich selber die Quellen zu haben.

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Shownotes: Wenn Hörer*innen das Audio meiner Podcasts reicht, ist das für mich völlig ok. Wer sich weiter informieren möchte, findet bei mir in den Shownotes Dinge, die ich als sinnvolle Erweiterung empfinde. Ich nutze diese Möglichkeit bei anderen Podcasts auch und möchte die gleiche Möglichkeit auch Hörer*innen meiner Projekte anbieten. Wenn jemand sagt: Das brauche ich nicht und ich schaue da nie rein: kein Problem.

Audioqualität: Da lege ich für mich ein Minimum an: nach Möglichkeit nicht zu viel Raum und Hintergrund, sonst können manche Hörer*innen nicht gut folgen (ich bin selber auch einer davon, ich kann Nutz- und Störsignal generell schlecht trennen).

Schon mit meinem ersten Billigheadset wurde die Qualität meines Projekts als recht gut angegeben. Ich wechselte dann hauptsächlich wegen viel Arbeit in der Nachbearbeitung wegen Plosivlauten.

Die weitere “Aufrüstung” an Audio-Equipment hat bei mir zwei Gründe: Zum einen möchte ich während einer Aufnahme nicht Problemen hinterherjagen. Brummen, Rauschen etc. möchte ich nicht und ich möchte zur Vermeidung nicht basteln.

Alles Weitere ist eher mein eigener Spaß an der ganzen Sache und Freude am Ausprobieren. :wink: Dass sich da nur äußerst selten mal Feedback über Audioqualität oder so ergibt, ist für mich ok. Der Podcast wird gehört und es gibt keinerlei Beschwerden über die Audioqualität: alles klar für mich.

Deine Fragen:

Machen wir uns zuviel Arbeit mit unseren Podcasts?

Ich glaube, das kann man pauschal nicht beantworten. Wenn jemand das Gefühl hat, es ist zu viel Arbeit, kann dieser Mensch ja einfach reduzieren.

“Nerden” wir uns evtl. zuviel in das Thema rein?

Für “Reinnerden” gibt es keine Obergrenze imho. :wink:

Braucht niemand Kapitel? Liest niemand Shownotes?

Ich nutze beides (Shownotes häufiger) und bin froh, wenn es da ist. Kapitelmarken nutze ich in allen Projekten, besonders intensiv aber in einem ausschweifenden Laberformat und tobe mich da dann auch gerne aus.

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Interessante Frage.
Ich glaube, dass es nur ein kleiner Ausschnitt der Wirklichkeit ist. Wenn wir mal schauen, welche Podcasts wirklich in den Charts oben landen, dann sind das eben nicht die, wo man mal eben in das Handy reinquatscht.

Für den Beginn mag das klappen, allerdings ist der Langzeiteffekt fraglich. Denn viele schaffen es nicht über 5 oder 10 Folgen hinaus, weil sie nicht gehört werden, die Themen ausgehen und sie daher frustriert sind. Projekte, die langhanhaltender sind, steht eine grundständige Planung zugrunde. Und dabei spielt natürlich auch Qualität der Inhalte und des Audios eine Rolle.

Wahrscheinlich ist der Anspruch an gute Qualität häufig die eigene Vorliebe. Mich persönlich graut es jedoch davor, Podcasts zu hören, die scheinbar in einer Lagerhalle aufgenommen wurden. Was aber nur daran liegt, dass es nicht mein Verständnis eines guten Podcasts ist.

Und für meinen eigenen muss ich sagen, war die Audio-Qualität entscheidend. Dafür gibt es bis heute Lob von Hörenden, was eigentlich bestärkt, dass man weiterhin auf Qualität setzen sollte beim Klang und der Ausstattung wie Kapitel und Shownotes. Formate wie Fest & Flauschig funktioniert eben auch so, weil es kein Wissen darbietet, was man nachlesen mag - es ist Unterhaltung. ANdere Podcasts, die zum Lernen oder für das Hobby gehört werden, haben eben einen anderen Fokus. Die Zielgruppe ist entscheidnd. Und bevor du 20 Mails beantworten msst, mit der Frage, wie und wo die Quelle ist, da schreib ichs doch lieber einmal in die Shownotes.

Und ein Nachtrag… Wir sind häufig in den Medien. Ich möchte mal meinen, dass ein seriöses Format eine gewisse Qualität benötigt, um ernst genommen zu werden.

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Als immer noch Nur-Hörer ist meine Meinung wie folgt:

  • Kapitelmarken vermisse ich schon, wenn sie nicht da sind. Wenn ich das Format mag, beiße ich aber auch in den sauren Apfel und verzichte notgedrungen darauf. Für mich sind die Kapitelmarken auch kein Grund eine Zahlung zu tätigen. Beispiel “Bits und so“. In meinen Augen sollten die zum guten Ton gehören.
  • Kapitelbilder: hier sehe ich keinen Grund warum man das machen sollte. Es ist immer noch ein akustisches Medium. Ich vermisse die nicht.
  • Episodenbilder: verwirren mich mehr als sie helfen, da der Podcatcher den Namen des Podcasts in der Liste nicht anzeigt. Wenn nicht das Kürzel des Podcasts vorweggestellt im Titel ist, dann finde ich das nicht gut.
  • Shownotes: Generell kann man hier natürlich sagen, dass es für Suchmaschinen ein wichtiger Faktor ist. Besonders wenn aber auf etwas Bezug genommen wird, dann erwarte ich einen Link zur Quelle oder zum Produkt in den Shownotes. Ebenso erwarte ich, dass die Shownotes ordentlich strukturiert sind und die Kapitel auch widerspiegeln.
  • Spotify: Fällt aus den obigen Gründen flach. Der Player ist dazu nicht wirklich geeignet in meinen Augen. Ich will lieber Fyyd und andere Verzeichnisse, in denen ich ordentlich suchen kann
  • Plattform-Exklusivität: Wenn ein Podcast hinter einer Paywall oder einer Registrierung steckt, dann fällt er bewusst aus meinen potenziellen Abo-Kandidaten.
  • Soundqualität: muss keinem Radio entsprechen, sollte aber hörbar sein. Atmo macht in gewissen Formaten Sinn, daher bin ich da nicht ganz so empfindlich.

LG,
Daxi

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Kapitelmarken müssen für Formate jenseits der 30 Minuten schon sein. Über deren Sinnhaftigkeit lässt sich meines Erachtens nicht einmal streiten, sie erfüllen einfach ihren Zweck. Wenn Podcasts aufgrund der fehlenden technischen Basis bei Spotify keine haben: geschenkt. Bestseller-Bücher wären auch ohne Seitenzahlen erfolgreich gewesen, gleichzeitig würde niemand über diese diskutieren.

Wenn ich von meiner persönlichen Nutzung ausgehe und alles andere (Durchsuchbarkeit, Themengliederung etc.) ausblende, dann reichen mir bei Shownotes Verweise zu besprochenen Themen. Natürlich gibt es auch hier Unterschiede – auf den Link zum Wikipedia-Artikel „Architektur“ klicke ich nicht, aber wenn ein bestimmtes Bauwerk mit ausgefallenem Namen besprochen wird, hilft das.

Ob man sich, um auf die Eingangsfrage einzugehen, zu viel Arbeit macht, muss jeder selbst für sich entscheiden. Gute Metadaten können nicht über schlechte Inhalte hinwegtäuschen. Aber wenn die eigene Zeit es zulässt, wird damit ein erheblicher Mehrwert geschaffen.

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Bis auf Transkribtion mache ich das volle Programm. - Weil es nützlich ist.

Kapitelmarken
Ich nutze sie selbst sehr gerne als Hörer und ärgere mich jedes mal, wenn keine da sind. Es gibt Podcasts, wo das Geplänkel am Anfang manchmal nicht so spannend ist. Kapitelmarken sind einfach verdammt praktisch.

Shownotes
Ich bohre die inzwischen sehr weit auf. Da kommen Bilder rein, Links und auch Kontaktdaten zu meinen Gästen. Ob die jemand im Player oder auf der Webseite anschaut, spielt keine Rolle. Ich müsste eh 2-3 Sätze über jede Folge auf der Webseite schreiben. Also kann das in die Shownotes rein.
Als Hörer nutze ich die vielleicht bei 10% der Podcasts. Das liegt aber auch an der Qualität. Shownotes, die das eben gehörte nur wiederholen sind quatsch. Sind aber weitergehende Links drin, halte ich die für sehr wertvoll.

Episodencover
Muss man nicht haben. Aber wenn sie da sind, kann das nett sein. Wenn meine Gäste fähig dazu sind, dürfen die sich Ihr Cover selber bauen. Das bindet ganz anders und das Episodencover ist gleichzeitig die Grundlage für Social-Media-Marketing.

Audioqualität
Ich höre keine Podcasts mit Brummen, Fiepen, Hall und anderem Noise. Das macht mich wahnsinnig und bei manchem Podcast wünsche ich mir Auphonic in meinem Player um das doch hörbar zu machen. - Daraus entsteht der gleiche Anspruch für mich.
Es gibt so einen kleinen Hörbereich, wo man als Hörer das Gefühl bekommt, man sei anwesend und taucht ein. - Das genieße ich sehr und so möchte ich auch produzieren.

Mehrwert
Ich glaube, alles was dem Hörer einen echten Mehrwert gibt, ist den Aufwand wert. Vielleicht ist das Sendegate voll mit Leuten, die das machen. - OK. Das ist wie bei den Bloggern:
Jeder kann bloggen und in 5 Minuten steht die Seite. Aber wirklich gelesen und genutzt werden die, die Content bieten und den auch anreichern.

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Ich habe persönlich auch einen hohen Anspruch an meine Folgen, vielleicht bin ich da manchmal auch etwas zu perfektionistisch. Das kann auch lähmend sein, z.B. wenn man eigentlich mal wieder eine Folge aufnehmen möchte und dann daran denkt, was im Schnitt, bei den Shownotes etc. (gemessen an den eigenen Ansprüchen) auf einen zukommt.

Mit geringeren Ansprüchen zu starten, kann daher auch befreiend sein, weil man “einfach macht” und sich nicht im perfekten Setup oder der Software-Suche verliert. Aber wie @mynoxin schon geschrieben hat: Die erfolgreichen Podcasts sind am Ende schon die, die höherwertig produziert sind. Wenn man sich die ganzen Charts anschaut, teilen sich die Öffentlich-Rechtlichen und diverse Verlage oft die Plätze auf. Klar, das hat auch mit der Reichweite und dem Budget zu tun, ich glaube aber, dass der “Hörgenuss” hier ebenfalls eine Rolle spielt.

Die interessante Frage also: Kam der Erfolg mit der Audio-Qualität oder verbesserte sich die Audio-Qualität mit dem Erfolg? :wink:

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Auch ich bin (noch) nur Hörer…
Ich finde einen angemessene Audioqualität unabdingbar, ein piepsiger Handyton mit allerlei Störgeräuschen, ein stockender Redefluss, eine ätzende Stimmattitüde und Dergleichen ärgern meine Aufmerksamkeit so sehr, das ich abschalte…
Heutzutage hat m.E. die Qualität sowohl akustisch als auch optisch (Videos) rapide nachgelassen (Smartphone Sound, Handy Kameras, Wackelbilder),
ein gesellschaftliches Phänomen im Zeitalter der Boomboxen (Boomheadphones) und Billigangebote der Onlinehändler (prof. Studiomikrofon 29,99).
Man kann heute, technisches Grundwissen vorausgesetzt, für einen kleineren 3-stelligen Betrag vernünftige Aufnahmen erstellen.
Deshalb sollten “Audioschaffende” dem eindeutigen Trend zur Billigproduktion jeglichen Contents auch technisch entgegnwirken.

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Um auf die Frag ezu antworten: ich glaube, es geht Hand in Hand. Während zu Beginn nicht alles perfekt sein muss und man aber durch die Inhalte glänzt, spürt man ja, das es Anklang findet. Ich glaube, es ist dann ein natürlicher Prozess, in dem man sich verbessern möchte.

Wenn du politische Podcasts machst, meinst du es vermutlich ernst. Da mich niemand sieht, ist die Audio-Qualität meines Erachtens das Aushängeschild für Seriösität und entsprechendem Inhalt. Laberpodcasts vom Reißbrett, die nicht über 10 Folgen hinauskommen, kommen deshalb nicht über 10 hinaus, weil sie niemand hört. ENtweder ist der Inhalt zu unrelevant oder man kann das den Ohren nicht antun.

Wer es mit dem Podcasten wirklich ernst meint und was mitzuteilen hat und wem podcasting an sich auch etwas bedeutet (nicht nur weil es grade trendy ist), der begibt sich wohl frewillig auf den Pfad guter Audio-Qualität. Auch wenn es nicht immer einzuhalten ist und man sich dann auch ärgert, verzeihen die Hörenden das scheinbar, weil die gewohnte Qualität überzeugt. Und letztlich hat es auch eine psychologische Komponente, weil wir ausm Radio ja keine schlechte Qualität gewohnt sind. Für mich wäre ein Podcast mit guten ernst zu nehmenden Ihalten mit schlechter Audio-Qualität irgendwie inkongruent. Und wenn ich so überlege… ich kenne keine guten Podcasts, die schlechte Audio-Qualität liefern. Ich bin der festen Überzeugung, dass das Audio ein Indikator für gute Podcasts sind.

Und dazu gehört eben auch etwas Geld. Und das gibt man eben auch nur aus, wenn du meinst dass du das längerfritig und ernsthaft verfolgen möchtest. Und wenn du an dem Punkt bist, ists eben kein “ich hol mal mein Handy raus, spreche rein und scheisse das Internet damit zu”.

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Das regelt der Markt :smiley:

Das halte ich gelinde gesagt für Quatsch. Du siehst vielleicht mehr schlechte Produktionen als früher, weil die Super 8- und Kassettenaufnahmen nicht groß außerhalb der eigenen vier Wände vorgeführt wurden, das Niveau was ambitionierte Amateure heutzutage erreichen können ist aufgrund der Produktionsmittel um ein vielfaches höher als früher, und das wird auch erreicht. Was haben aktuelle Handykameras mit rapide nachgelassener Qualität zu tun? Wie weit zurück reicht dein Kulturpessimismus, wenn Boomboxen schlecht sind dann ja sicher auch Ghettoblaster der 1980er Jahre und die Transistorradios und tragbaren Plattenspieler noch früherer Jahrzehnte.

Du sagst es am Ende ja auch selber. Keiner hier hätte vor 20 Jahren auf diesem Niveau Audio produzieren können, die Angestellten von Rundfunkanstalten ausgenommen. Gleiches bei Video, Youtube ist voll von hervorragenden Produktionen die vor 20 Jahren ein Filmteam benötigt hätten.

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Ich halte es mit der 20/80 Regel: 20% des Aufwands für 80% des Ergebnisses. Für die restlichen 20% Ergebnis braucht man dann gerne noch mal 80% des Aufwands.

Im Podcasting heißt das: eine korrekte Tonqualität muss schon sein, aber übertreiben bringt nix. Das HMC660 ist für mich genau dieser Fall: relativ einfach im Aufwand für ein ziemlich gutes Ergebnis. Ein Beyerdynamic klingt kaum besser (punktet aber bei anderen Faktoren) und kostet ein Vielfaches. Die Sonderfeatures (Kapitelmarken, Shownotes etc) genieße ich, wenn sie da sind, und vermisse sie auch mitunter wenn sie fehlen. Manche:r Podcastende machen sich aber auch mehr Mühe als nötig. Wenn auf 30 Minuten Podcast 20 bebilderte Kapitelmarken kommen, dann tut mir das nicht weh, aber die Produzent:in ist ein bisschen übers Ziel hinaus geschossen. Ich glaube nicht, dass jeder Podcast Shownotes und Kapitelmarken braucht. Ich glaube aber auch, dass einige Podcasts davon profitieren könnten (This American Life als prominentestes Beispiel täte gut daran, die drei Akte in den Kapiteln abzubilden).

Um die Einstiegsfrage zu beantworten: Ja. Wir machen uns zu viel Arbeit, vor allem hier im Sendegate. Wobei Arbeit vermutlich der falsche Begriff ist, den meisten macht es ja Freude, die Signalkette zu optimieren und neue Standards zu entwickeln. Deswegen ist der Mehraufwand alles andere als verwerflich. Er muss halt nur nicht sein, ob einen guten Podcast zu machen.

Ich würde nie auf die Idee kommen, einen Podcast wegen fehlender Kapitelmarken oder Episodenbilder abzuwerten. Denn diese „Softfeatures“ sind freundliche Dreingabe und nicht essentiell für die Hörerfahrung. Bei der Tonqualität sieht es anders aus. Wer sein iPhone auf eine Tasse in die Mitte eines Konferenztisches legt und damit einen Podcast aufnimmt, braucht mich nicht als Hörer erwarten. Denn wer nicht mal bereit ist, 20% des Aufwands zu betreiben, um etwas zu produzieren, der respektiert mich nicht als Hörer und im Grunde auch nicht die eingeladenen Gäste oder anderen Mitwirkenden. Und auch wenn das Gesagte unglaublich gut ist, wird es durch miese Tonqualität abgewertet.

Tl;dr: Etwas Aufwand sollte man schon betreiben für einen interessanten Podcast. Eine sehr aufwendige Produktion führt jedoch oft nur zu marginal besseren Podcasts.

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richtig, gleichzeitig steigt eben aber auch der öffentlich verfügbare “schlechte Content” (z.B. Youtube) exorbitant, Handykameras sind sehr gut, aber nur wenn man die Grundregeln des Filmens beherrscht (Licht, Ton, Stativ, Szene etc.).
Wenn ich z.B. nach “Erklärvideos” suche, ist neben dem gut aufbereitetem Content eine Unzahl von Videos von DAUs in der Liste, die man erst mal zeitaufwendig weg sortieren muss.

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Könnte man die Tagesschau nicht auch so machen wie das Blair Witch Project? Käme billiger mit ner Smartphonekamera!

:wink:

Freak Show ist nicht Bernds Tagebuch. Star Wars ist nicht Blair Witch Project. Der Altherrenchor Trächtinghausen hat andere Ansprüche als Hans Zimmer.

Und trotzdem gehören die jeweils irgendwie ins gleiche Genre.

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Jedes Format kann seine Zielgruppe finden.
Beim Film gibt es Hochglanz Hollywood Filme die komplett überproduziert sind und Dogma95 Filme mit Handkamera und Verbot von künstlichem Licht oder irgendwelchen Effekten.
Es kommt alles darauf an wer die Zielgruppe ist und auf welche Art und Weise diese angesprochen werden soll.

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Ich habe das gleiche Problem mit meinem Printmagazin. Die ganz große Masse liest eher leichte Kost. Für mich kein Anspruch, also bin ich auch nicht Mainstream.

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Für HOAXILLA ist sicherlich entscheidend, die verwendeten Quellen als Shownotes anzubieten.
Aber hier gilt für mich (auch aus Zeitgründen) kurz und knackig.

Interessant aus meiner Warte ist der rasante Anstieg der Hörer/innen-Zahlen (im k-Bereich) auf Spotify. Und damit verbunden die Tatsache, dass zumindest diesen Hörer/innen Shownotes egal sind.
Im direkten Kontakt mit Hörer/innen spielt in der Altersklasse unter 25 Jahren sowieso kaum noch etwas anders als Spotify eine Rolle.

Wer allerdings seinen Podcast nicht für Hörer, sondern nur für sich schön haben möchte, der soll das doch tun. Das ist dann so ein bißchen wie die perfekte Modelleisenbahn im Keller, die man über Jahrzehnte optimiert hat. Daran hat man typischerweise allein Spaß und nicht mit tausenden Gästen, die durch den Keller stiefeln.

Mein Fazit: Wer maximale Reichweite haben möchte, muss gut klingen und finddbar sein. Shownotes sind da kein Garant für Reichweite über eine gewisse Klientel heraus.
Und abschließend: Wie bei jedem Hobby, liegt die Entscheidung, wie viel Zeit investiert wird beim Hobbyisten selber.

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