Roundtable aufnehmen?

Hallo hallo und vielen Dank für die Aufnahme bei Sendegate. Ich bin neu hier, verdiene mein täglich‘ Brot als Journalist und starte gerade mit dem Podcast Radio Blach. Und starte ich mit einer Frage an die Community: Wie kann ich ein Round Table mit rund zehn Personen aufnehmen? Bisher haben wir diese Gesprächsrunden mit einem Zoom H4n aufgezeichnet - aber nur für die Dokumentation - und dann transkribiert, editiert und in einem Magazin veröffentlicht. In Zukunft wollen wir diese Gespräche für einen Podcast nutzen. Außer dem H4n haben wir einen Rodecaster Pro, zwei Sennheiser MD 42, ein weiteres Kondensatormikro und ein Broadcast-Headset von Sennheiser, außerdem ein Fethead für die dynamischen Mikro. Beim Roundtable mit zehn Personen sitzen die Teilnehmer am runden oder eckigen Tisch, aber wegen der Anzahl natürlich relativ weit auseinander. Wie kann ich die Aussagen (und mit welchem Equipment) so aufnehmen, dass sie Podcast-tauglich sind. Erschwerend kommt dazu, dass unsere Roundtables häufig im Ausland stattfinden, was die Möglichkeiten für die Mitnahme von Equipment limitiert. Puh, das ist jetzt hoffentlich nicht zu viel . . .

Also, ich könnte mir vorstellen, dass du jedem Gesprächsteilnehmer ein Lavalier-Mikro anklippen könntest. Das Problem wäre wohl die Zusammenführung der langen Kabel in ein Mischpult mit genügend Eingängen, um die Spuren im nachhinein einzeln bearbeiten zu können.

Wenn es nicht ums Geld geht, könnte man auch ein Set DPA 4060 mit Boundary Layer auf dem Tisch verteilen. Hat schon mal jemand mit Grenzflächenmikrofonen bei so etwas gearbeitet?

Relevant wäre es schon, dass alle Teilnehmer ungefähr den gleichen Abstand zu mindestens ein Tischmikro haben, um die Verständlichkeit zu gewährleisten und das aufziehen der Lautstärke bei leisen Parts zu vermeiden bzw. zu reduzieren. Sonst kommt der Raum ja auch mit hoch …

Grundsätzlich sind omnidirektionale Kaspeln für einen Roundtable vielleicht die bessere Wahl. Dann hast du allerdings auch keine einzelnen Spuren, sondern nur eine Raumsumme. Damit wäre eine saubere Postproduktion mit De-Reverbaration schon sinnvoll und vielleicht sogar auch notwändig.

10 Teilnehmer:innen sind natürlich ne Menge. Da fallen mir nur riesige Sachen wie das Zoom Livetrack L-20 – damit hast Du genug Inputs und kannst alles in einem Gerät als Multitrack aufzeichnen. Dann brauchst Du halt zehn Mikrofone Deiner Wahl, zur Not mit XLR Patch Kabeln als Verlängerung. Schön wäre es, wenn sich alle auf Kopfhörern hören könnten, aber dann brauchst noch einen Haufen Kopfhörer. Praktikabler ist sicherlich der Einsatz von nur einem Kopfhörer beim Host.

Alternativ kannst Du auch 2 Zoom H6 mit XLR Aufsatz nutzen. Dann hast du 2x 6 Inputs, könntest bei beiden jeweils ein Mikro in der Mitte des Tisches platzieren (Inputs 11 und 12 quasi) und das zum Sync nutzen. Die beiden Tischmikros sollten ja nahezu das gleiche Signal aufzeichnen und dementsprechend hervorragend geeignet sein, um alles in Sync zu kriegen. Das ganze wäre ein bisschen hacky, aber entweder Du investierst in dicke Hardware oder Du musst basteln.

Ich würde an der Stelle definitiv in Hardware investieren, denn bei solchen Gesprächsrunden wird es m.E. zwingend tontechnisch.

Schau dir mal das Presonus StudioLive AR16c an.

Sieht auf Anhieb nach 'ner Menge Holz aus, aber aus Erfahrung: Lieber was übersichtliches fürs schnelle Routing und die Suche nach Fehlern als

zu arbeiten.

Es könnte mit seinen Maßen vielleicht sogar noch in ein Producer-Backpack passen. Ich hab’s noch nicht ausgemessen, würde aber eher in die Richtung investieren, bevor ich zu schnell an meine Grenzen komme.

Solltest du Tontechniker im Freundeskreis haben (Rundfunk?), würde ich die um Rat fragen.

Danke. In die Richtungen habe ich auch schon gedacht, hatte aber die Hoffnung, dass es vielleicht noch weitere Alternativen gibt.

Unter anderen habe ich in der zweiten Jahreshälfte noch Roundtables in den Emiraten. Da bin ich froh über alles, was ich nicht mitnehmen muss. Wären vielleicht mehrere omnidirektionale Mikros in Tischmitte platziert eine Option?

Dann nimmst Du halt alles an Raum mit auf, was da ist. Echo, Hall, klapperndes Geschirr/Gläser, das wird meistens eher sehr anstrengend zu hören. Außerdem kannst Du so nur schlecht ausgleichen, wenn Leute übereinander sprechen oder wenn die Sprachlautstärken sehr unterschiedlich sind.

Wenn es um die reine Dokumentation geht, kann man das machen. Veröffentlichen würde ich sowas allerdings nicht.

Ich könnte mir höchsten vorstellen, dass Du mir einer Handvoll guter Shotgun-Mics weiter kommst, und dann nicht zehn sondern vielleicht nur 6 brauchst. Die müssen dann sternförmig in der Mitte angeordnet sein und vom Tisch entkoppelt. Dann kannst Du auch aus der Distanz guten Ton aufnehmen – hast aber trotzdem auch wieder reichlich Gepäck dabei.

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Shotguns haben doch nur einen schmalen Winkel für die Aufnahme (Mikrofon-Richtcharakteristik : Superkardioid) . Da wird sich nur pro Person ein Mikro ausgehen. Diese Aufnahmen sollten dann allerdings sauber getrennt sein. Ich fürchte, die Formel 6 für 10 geht hier nicht auf.

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das kommt wohl auch stark auf den Abstand an. Bei einer 10er Runde dachte ich an einen großen runden Tisch, wo die Winkelaufteilung vielleicht so hingekommen wäre… aber wahrscheinlich hast Du recht und das würde auch nicht helfen. Sauberer ist eh ein Mikro pro Sprecher:in.

Werfe mal das Zoom H8 ins Rennen. Dafür gibt es einen zusätzlichen XLR Aufsatz mit weiteren 4 XLR Eingängen, damit wäre es möglich 10 Mikros anzuschließen. Dazu 10 AKG D5 Mikrofone, die kosten „nur“ 59€.


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Gibt es den oben erwähnten XLR-Aufsatz für das H8 mit 4 weiteren xlr-Eingängen denn schon irgendwo zu kaufen? Du meinst den EXH-8, richtig? Ich hab den nämlich bisher nirgendwo gesehen außer auf der Zoom-Website selbst.

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Muss ich gestehen hatte ich noch gar nicht nachgeschaut. Und scheint wohl erst in den nächsten Wochen zu kommen, zumindest sagen das die Shops in den USA. Dachte die Erweiterung wäre inzwischen erhältlich, hatten sie ja zusammen mit dem H8 angekündigt.

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Wenn der Anspruch an die Qualität etwas flexibler ist, die Sprecher sich etwas disziplinieren und die Raum- und Umgebungsgeräusche nicht zu arg werden, könnte der Audioanteil dieses relativ günstigen Setups (etwas erweitert) zumindest für den Auslandseinsatz eine Möglichkeit sein:

Hier für einen Stream mit vier Personen eingesetzt:

Die Lösung, wie in den Videos, könnte tatsächlich funktionieren. Aber unter 6 Mikrofonen wird das glaube ich nicht funktionieren. Und so lange die Sprecher:innen das Mikro nicht direkt vor dem Mund haben, werden auch immer Nebengeräusche eingefangen.