Vielleicht ist das Ausblenden der Indieszene auch nur Komplexitätsreduktion. Allein nur die mainstreamigen Podcasts zu berücksichtigen, füllt ja schon eine journalistische Woche. So aus Sicht der Journalist_innen: Was ginge dem Publikum verloren, wenn man die Indie-Szene berücksichtigt? Die Antwort wäre Vielfalt. Aber das stimmt ja nicht, da die Podcastangebote auch ohne die Indieszene vielfältig sind. Die Antwort wäre dann also: umfassende Vielfalt. Aber im Selbstverständnis des Journalismus ist dieser ein Gatekeeper für eine Vorauswahl. Nun kann man einwenden, die sollen dann aber eine Vorauswahl aus allem treffen.
Das scheint mir aber eine Forderung, die an den Realbedingungen des Journalistenlebens vorbeigeht. Generell lebt jede Berufswelt außer die der Wissenschaft von einer 80/20-Regel. Allein die Fülle der Mainstreamangebote auszusieben, befriedigt schonmal 80% des Publikumbedarfs. Sich da jetzt in die Indieszene zu graben, um etwas zu finden, das die bereits gefundenen Angebote topt, würde unmengen an Zeit fressen, weil noch einmal viel, viel mehr Schotter darunter ist, also nochmal mehr auszusieben. Während im Mainstreamangebot schon eine gewisse Voraussiebung stattfand.
Ich denke, der Zugang zu Indiepodcasts kann rein praktisch nicht mehr über den klassischen Journalismus laufen. Auch glaube ich, dass die Indieszene sich nicht mehr als solche in Szene zu setzen schaffen wird, a la, schaut, da gibt es noch eine große unbekannte Bubble.
Wo ich Potential sähe wäre, wenn einzelne Indieprojekte thematisches Zielpublikum suchen. Podcasts über bestimmte Soziallagen oder Krankheiten z.B. sich an Krankenkassen oder Verbände wenden, um über deren Kanäle gepusht zu werden. Oder wenn Indies, die den semiprofessionellen oder professionellen status erreicht haben, gelegentlich unbekannte Projekte platzieren. Aber eine Bewegung in die Richtung, schaut her, hier sind wir, die Independent-Podcast-Gemeinschaft, wird aus meiner Sicht nichts mehr reißen.