Podcasts als primäre Einkommensquelle? Oder doch eher ein Hobby?

Mich erstaunt die “Bettelei” in den meisten Podcasts und ich sehe sie nicht als Nachfrage nach Geld als solchem an, sondern um die Ummünzung von Anerkennung zu Geld. Realistisch kann man kaum davon ausgehen, dass mehr als ein paar Handvoll Podcaster von ihren Produktionen leben können.

Ich mache Podcasts, weil es mein Hobby ist, weil mich die Technik interessiert, weil ich an der Diskussion über die Themen interessiert bin, weil ich gerne zusammen mit Anderen etwas mache. Ich höre Podcasts, weil ich dazulernen möchte, weil ich intelligent unterhalten werden möchte, weil ich oft nebenbei noch etwas machen kann, ander als bei Videos.

Ich könnte mir auch vorstellen, mit Anderen zusammen zu tischlern. Es ist ein Hobby, wenn ich davon leben müsste, dann würde ich es nicht machen, weil der Zwang den Spaß austreibt.

Wie seht ihr das?

Mich würde jede Stimme aus dieser Szene wundern, die es als nicht legitim ansehen würde, mit Podcasts Geld zu verdienen.

Die Gegenüberstellung von Hobby und Verdienen finde ich daher schon ein völlig falsches framing, das Wort “Bettelei” erst recht.

Podcasts produzieren ist Arbeit, unabhängig davon ob sie Spaß macht oder nicht, und ich freue mich für alle, die mit dieser Arbeit zumindest einen Teil ihres Lebensunterhaltes bestreiten können – sei es wegen einer solidarischen Hörer*innenschaft oder wegen einem funktionierenden Vermarktungsmodell.

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Ich fühle mich falsch interpretiert, wenn Du annimmst, ich wäre dagegen mit Podcasts Geld zu verdienen. Ich halte es aus vielen Gründen, für das falsche Vehikel für die Mehrheit der Produzenten und die Vermarkter für eine Art parasitäre Akteure.

Zum sog. Framing:

Ein Hobby ist eine Freizeitbeschäftigung, die der Ausübende freiwillig und regelmäßig betreibt, die dem eigenen Vergnügen oder der Entspannung dient und zum eigenen Selbstbild beiträgt, also einen Teil seiner Identität darstellt. Das Wort „Hobby“ ist vom englischen hobby horse abgeleitet, das mit „Steckenpferd“ in beiden Bedeutungen – Kinderspielzeug und Freizeitbeschäftigung – übersetzt wird. Das hölzerne Steckenpferd trägt seinen Reiter nirgendwohin, weil es in den Händen gehalten wird, entsprechend erwirtschaftet das Hobby kein Einkommen und ist kein Beruf.

Ein Hobby ist per Definition keine Profession.

[quote=“sofakissen, post:2, topic:9609”]
Podcasts produzieren ist Arbeit, unabhängig davon ob sie Spaß macht oder nicht,
[/quote] Niemand zwingt Dich es zu tun, ob es Spaß macht oder nicht.

Ich auch, ich auch, nicht missverstehen

Für wen funktioniert das Vermarktungsmodell denn gut, wenn nur Bruchteile der Einnahmen beim Produzenten landen und er nicht kontrollieren kann, ob richtig abgerechnet wurde, weil er nicht über die Infrastruktur verfügt und weil ein Teil des Preises die Daten der Abonnenten sind.

Privatsphäre und Anonymität sind Dir offenbar nicht wirklich wichtig, oder kommt es auf das Geld an?

Siehe “sog. Framing”

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Ein inhaltliches Argument wäre sinnvoller.

Ich verstehe nicht, was genau deine Frage ist. Podcasts können eine primäre Einkommensquelle, nur ein Hobby oder eben irgendetwas dazwischen sein.

Weshalb sollte man seine Anerkennung nicht auch mit Spenden ausdrücken können und was hat das damit zu tun, ob dieses Geld einen großen Teil des Lebensunterhalts der ProduzentInnen ausmacht? Niemand spricht dir ab, das für dich und deine Podcasts anders zu handhaben.

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Dann versuche ich jetzt etwas Klarheit hineinzubringen:

  1. Jeder kann versuchen, Podasts zur primären oder serkundären Einkommensquelle zu machen. Dagegen spricht dem Grunde nach nichts.

  2. Anerkennung für eine persönliche Leistung sollte nicht in Geld ausgedrückt werden, weil es “zu billig” ist so vorzugehen. Geld ist eben nur Ersatz, wie fast immer im Leben.

  3. Die Monetarisierungsmodelle, die im Podversum üblich sind, sind schlecht und schädlich.

  • Über Werbung und die verbundenen Nachteile habe ich mich hier bereits umfangreich ausgelassen, wie erfreulicherweise auch Andere.

  • Ich wollte den Ansatz der Vermarktung über einen sog. Podcastvermarkter ansprechen, weil ich ihn für illusortisch hinsichtlich Geldverdienst halte, abr eben auch sehr schädlich, weil die Daten der Abonnenten Teil des Handels sind, den der Podcastende eingeht - ohne den User explizit um Erlaubnis zu fragen oder gesondert darauf hinzuweisen.

Deswegen halte ich diese beiden Vorgehensweisen nicht für legitim - völlig anders bei Spendenmodellen.

Wie immer im Leben wäre hier mehr Transparenz besser:

Ich habe gerade nachgeschaut: In 2018 habe ich 235 Euro an Podcaster gespendet, meine Zahlungen an den ÖRF nicht eingeschlossen. Das ist beschämend wenig, aber mehr kann ich mir nicht erlauben, weil ich / wir wenig Geld zur Verfügung haben.

Der Proton-Podcast (an dem mitwirke) hat meines Wisses keinerlei Spenden in 2018 erhalten. Das finde ich weder schlimm, noch ist es mir wichtig um Anerkennung zu erhalten, oder zu empfinden. Die kommt aus den Reaktionen, den Diskussionen mit den Hörern.

Diese Transparenz täte gut und würde wahrscheinlich ergeben, dass die wenigsten Hörer nennenwert etwas spenden (die Wenigsten hören besonders intensiv und umfangreich Podcasts) und das die Produzenten nicht wesentliche Teile ihres Einkommen über Podcasts beziehen können.

Von wenigen Ausnahmen abgesehen.

Dafür wird aber jeden Monat eine neue Sau durch Podcastland getrieben: Wir sind der Netflix für Podcasts odelch dummes Marketinggewäsch noch verbreitet wird.

Deswegen halte ich das Podcasten für ein Hobby (welches in den meisten Fällen Geld kostet und zum Spaß betrieben wird) und nicht für eine Profession, die dem Gelderwerb dient. <- Meine Meinung. Mich interessiert die Meinung der Leser hier. Die Angabe der Spendenhöhe oder Einnahmen auch. Was die Spenden angeht, nehme ich an, das hier Personen versammelt sind, die mehr spenden als der Durchschnitt.

Das ist eine wertende und kulturell geprägte Ansicht und man kann das legitimerweise auch genau anders herum sehen. Alles kostet. Zeit, Geräte, Gebühren… Wenn ich nun meinen Geldbeutel aufmache um ein Format monetär zu unterstützen bedeutet das eben auch, dass ich diese Investments mittragen will. Das ist tatsächlich eine sehr gute Methode um Anerkennung auszudrücken.

Vielleicht ist auch diese Haltung “Anerkennung sollte nicht in Geld ausgedrückt werden” genauso schädlich wie das Dauermonetarisieren, das es ja auch immer öfter gibt. Wenn wir nämlich auf dem Standpunkt sind, dass ein monatlicher Beitrag von sagen wir mal 5€ zu viel Geld ist, dann müssen wir uns auch nicht wundern wenn indirekte Geschäftsmodelle um sich greifen und Du allerorten Werbung in die Gehörgänge gedrückt bekommst.

Ich drehe das ganze persönlich ziemlich oft um. Wenn mir ein Kanal zu viel Werbung verpasst, ich aber gerne weiter hören will, frage ich gerne mal nach Möglichkeiten direkt zu bezahlen und wenn es die Möglichkeit gibt mache ich das auch. Formate, die mir diese Zahlung nicht wert sind oder ggf. wären schmeiße ich aus dem Podcatcher. Sicherlich freue ich mich über den vielen Gratis-Content aber ganz generell habe ich kein Problem damit 2-3€ pro Stunde gehörten Content zu bezahlen und das ist nicht nur legitim sondern unsere Podcast Landschaft wäre auch wesentlich dynamischer wenn mehr Leute so wie ich darüber dächten…

//D

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Ich habe gerade nachgeschaut:

In meiner Playlist sind 382:42:10 Stunden, im August sind 9 Tage und 18 Stunden und 52 Minuten Podcastst in der Statistik. Ein Teil davon ist über die GEZ finanziert, aber nur ein kleiner Anteil. Das wären bei 2,50 Euro je Stunde 987,50 Euro für die aktuelle Playlist.

Das geht mit unserem schmalen Einkommen überhaupt nicht und auch bei einem wesentlich höherem Verdienst könnte ich schwerlich 587 Euro für meinen Augustkonsum an Podcasts erübrigen. Das würde im Jahr über 7.000 Euro bedeuten.

Ich suche idealerweise nach einer Lösung in die ich beliebig einzahlen kann und die Podcasts nennen, unter denen mein Beitrag aufgeteilt werden soll. Besser noch mit einer monatlichen Abfrage, ob sich die Verteilung ändern soll. Auch mit der Möglichkeit etwas random zu vergeben.

Tatsächlich scheint es aber immer noch so zu sein, dass Etwas, das nichts kostet, auch nichts wert zu sein scheint - in den Augen der Meisten jedenfalls.

Dabei ist es tatsächlich umgekeht - best things in life are free - jedenfalls sind sie für Geld nicht zu bekommen.

Indirekte Geschäftsmodelle sind doch so direkt, wie man ein Modell nur gestalten kann, wenn man hinschaut.

Ich boykottiere jeden Podcast mit Werbung und hoffe, das es viele Menschen so machen.
Da ich keine Werbung im TV schaue, nicht auf Youtube, im Netzwerk alles wegfiltere was geht, nicht in linearen Radio (welches ich kaum noch höre), nicht in Magazinen oder ähnlichen, sind die Podcasts die einzige Quelle von Werbung, bei der ich es nciht automatisch wegfiltern kann.

Ich arbeite zwar mit zwei Kollegen daran, aber ich weiss nicht, ob es klappen wird. Es ist nicht so einfach, jedenfalls ist deabonnieren viel einfacher.

Mit widerstrebt die Monetarisierung von Allem, die Gier, die dahinter steckt, sei es Geld, sei es die Gier nach Anerkennung. Das ist das was unser Wirtschaftssystem ausmacht und unsere Lebensgrundlagen ausbeutet und zerstört.

Ja, jetzt lass uns mal genau darüber nachdenken. Allein schon an GEZ finanziertem Content hast Du mehr Inhalte als Du weghören könntest. Dann kommen noch Podcaster wie ich, die gar keine Absicht haben Geld zu verlangen. Das allein sollte schon dicke reichen. Obendrein ist es dann aber noch so, dass wirklich tolle Inhalte ja selten 2-3€ pro Stunde sondern in der Regel viel weniger kosten. Als das Morgenradio versuchte ein Bezahlangebot zu sein konntest Du für 5€ im Monat deren gesamtes Archiv durchhören. Ähnliches gilt für 5€ bei Viertausendhertz.

Niemand sagt, dass Du Deine 9 Tage pro Monat komplett durchfinanzieren musst. Ich habe einfach mal eine Zahl in den Raum geworfen, die meiner Meinung nach angemessen wäre wenn man wirklich bezahlen würde was man konsumiert. 2h Kino kosten 15€. Ein Premiere Abo kostet auch sowas… Nur mal als Vergleich.

Mein Punkt ist aber ein anderer und der passt zu Deiner Aussage:

Best things in life are GIVEN free… und Du hast eben auch keine Garantie darauf, noch ist es ok es praktisch als verwerflich zu betrachten wenn jemand eben einen Beitrag bekommen oder leisten will.
Viele Podcaster geben ihre Inhalte frei raus - freu Dich.
Diejenigen, die dafür um einen Beitrag werben haben aber auch recht: Es ist eben irgendwie auch schräg wenn man praktisch verlangt, dass der Inhalt eigentlich kostenlos sein sollte. Ich finde umgekehrt sollten wir uns durchaus alle fragen was uns diese Inhalte wert sind. Das muss nicht unbedingt Geld sein, das darf auch gerne Feedback oder irgendwas anderes sein. Das mag unterschiedlich sein.

Wenn ein Podcast den ich mag Werbung hat, melde ich mich bei denen und sage, dass ich mir eine werbefreie Bezahlvariante zu einem sinnvollen Preis wünsche. Sobald es die dann gibt, lasse ich Worten Taten folgen und bezahle die auch. Würde nämlich eine ausreichend große Menge an Leuten nicht nur boykottieren sondern auch die Alternativen finanzieren, gäbe es viel mehr davon und wir hätten die Diskussion gar nicht. Dein Boykott kratzt nämlich niemanden solange es für alle anderen keine Wahl gibt und genug Leute dann die Werbung in Kauf nehmen…

Ein abschließendes Wort noch: Die überwiegende Mehrzahl der Hörenden hat keine Zeit für 9 Tage Podcast Konsum im Monat und hat oft auch nicht mehr als 5-10 Podcasts auf die sie nicht verzichten wollen. In so einem Fall sähe die Rechnung eben auch anders aus als Du sie oben aufgemacht hattest. 5 Podcasts x meinetwegen 3€ können sich die allermeisten leisten, aber weil es eben üblich ist kein Geld zu geben für etwas was am nächsten Eck gratis zu haben ist fällt das in die Kategorie “best things in life haben gefälligst free zu sein”.

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Worum gehts hier eigentlich genau? Ich seh irgendwie Argumente aber keine Grundthese, von der aus argumentiert wird…

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edit: Ich beziehe mich auf die ersten beiden Postings. Seitdem ist hier viel zu viel diskutiert worden, so dass mein Beitrag ggf. schon wieder offtopic ist. Sei’s drum, ich habs schon getippt, also wirds auch gepostet…

Ich denke, der Deal mit den Hörenden sollte immer ausgewogen sein.

Ich versuche es so:

Ich wünsche mir von den Hörenden in Ihrer Gesamtheit dass sie Technik, Hosting, Bahnfahrkarten und Kaffee für meine Gesprächspartner finanzieren. Das kommuniziere ich auch so.
Ganz einfach weil:
Es ist ein Hobby und ich fände es schön, wenn es nicht so sehr ins Geld geht. Es ginge aber auch ohne Spenden. - Unabhängigkeit ist das Stichwort. Die Anerkennung und Unterstützung ist ein Stück Motivation.

Überraschenderweise geht dieser Deal ziemlich gut auf und mehr muss ich mir nicht wünschen. Ich komme ±0 raus und das ist für ein Hobby schon ziemlich cool.

Man darf auch nicht vergessen:
Mache ich Werbung, habe ich einen Verlag, Chef oder sonstwas, dann habe ich irgendeine (finanzielle) Sicherheit. - Das bedeutet aber auch: Es gibt Regeln an die ich mich halten muss um meine Gönner zufrieden zu stellen. - Ich wäre so ggf. in meiner Themenwahl und freien Entfaltung eingeschränkt. Und das unterscheidet für mich das Hobby vom Job.

Im Moment habe ich hier z.B. eine Folge, die ich nicht veröffentlichen werde. Ich habe keinen Druck Sendeminuten zu füllen oder notfalls schlechten Content abzuliefern. - Ich kann das entscheiden und das ist ein gutes Gefühl.

Wer sich entscheidet, davon leben zu wollen, der wird Kompromisse eingehen müssen. - Das ist eigentlich immer so, wenn Geld ins Spiel kommt (um davon zu leben). Aber auch das ist in Ordnung.
Ich mag an Podcasts generell sehr, dass es eben beides gibt. Freie Inhalte neben Profi-Produktionen. Im Moment sehe ich nicht, dass eine der beiden Möglichkeiten die andere verdrängen kann und das macht das Medium so sympathisch.

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Das ist ein Blickwinkel den ich wirklich gut und völlig legitim finde.
Das zu kommunizieren ist dann eben auch keine “Bettelei” wie oben mal geschrieben wurde und wenn Leute Dir Geld in den “Klingelbeutel” werfen, dann ist das eben eine Wertschätzung Deiner Hörerinnen und Hörer und auch ausgesprochen cool… Meine Meinung.

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Arvid mag keine Werbung und Vermarkter. Alle 2-4 Wochen kommt deswegen ein neuer langer Thread, bei dem Werbung als extrem schädlich dargestellt wird, andere halten dagegen und sagen: Lass sie doch machen. Irgendwann eskaliert das, dann ist ein paar Wochen Ruhe, dann legen wir von vorne los.

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Hallo Dirk,

hier ein Link zu einer Diskussion über Werbung in Podcasts anläßlich der 100 Mio Dollar Finanzierung von Luminary (inzwischen auch schon gestorben?!).

Es ist eben vielen aus Sicht und Lebenspraxis der US-Konsumenten betrachtet, aber viele allgemeine Betrachtungen sind auch für Europäer gültig.

Bis zum Ende scrollen, um die Kommentare zu lesen.

Das Thema hat mit unserer Diskussion allerdings nur insofern zu tun als dass es auch da um Geld geht…
Luminary will eine Discovery Plattform sein, wir diskutieren hier im Thread ja eher ob es für Podcaster legitim ist nach Geld zu fragen und ob Anerkennung sich monetär ausdrücken lässt bzw. sollte.
Irgendwie fühlt es sich aber auch so an als wäre schon alles gesagt…

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Da stimme ich zu. In den Kommenataren geht es aber auch deutlich um die Monetarisierung von und Werbung in Podcasts.

Wenn du etwas mitteilen möchtest, dann mach das doch einfach direkt statt andere darum zu bitten, irgendeinen Artikel inklusive fünfzig Kommentaren zu lesen.

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