Hm. Das geht mir jetzt ehrlich gesagt ein bisschen zu schnell.

zunächst einmal werden in dem Posting nicht explizit Menschen als “Dreck” bezeichnet. Das ist eine zulässige Lesart des Postings, zum Thema Dschungelcamp würde ich aber noch zwei weitere anbieten wollen:

Zum einen ist im Dschungel wirklich eine Menge physischer Dreck zu finden, man könnte es also als Wortspiel verstehen. Halte ich aber für unwahrscheinlich, daher lege ich die Lesart auch gleich wieder zur Seite.

Was aber plausibler ist: “Dreck” im Sinne von: unanständig, inhuman. Wir sind uns hoffentlich schnell einig, dass das Grundmotiv des Dschungelcamps die Herabwürdigung und Erniedrigung von Menschen ist. Man kann jetzt viel über ironische Brechungen reden, und das das ja alle freiwillig machen - dennoch ist der voyeuristische Blick darauf um Kern pervers, und auch über die Freiwilligkeit kann man bei etlichen KandidatInnen diskutieren: bei etlichen hatte man schon den Eindruck, dass man die eigentlich vor sich selbst schützen müsste und dass sie überhaupt nicht absehen können was in diesem Format mit ihnen gemacht wird.
Erstaunlicher Weise ist aber so eine - ich nenne sie mal linke - Lesart eher wenig verbreitet, über alles mögliche regen wir uns - zu Recht - auf, aber Dschungelcamp ist schon ok weil halt so ironisch.
Ich nehme mich da selbst keineswegs aus: ich habe glaube ich alle Staffeln gesehen, halte sie in Teilen für großartige Unterhaltung und rede dazu auch gern im GMITM-Podcast. Ich setze mich sogar jedes mal hin und erstelle eine Spotify-Playlist der Musik.
Aber: ich bin mir bewusst, dass dies in Bezug auf Haltung und Moral eigentlich falsches Verhalten ist. Ich nehme das in Kauf für gute Unterhaltung, aber es ist und bleibt falsch - in etwa so falsch wie BILD zu lesen oder nicht anzugreifen, und da bin ich viel radikaler in meiner Opposition.

Worauf ich hinaus will: dieses TV-Format ist selbst im Fundament menschenverachtend. Man kann es natürlich schauen, wir haben alle die Macht der freien Entscheidung. Aber wie die 68er dann doch wie ich finde maximal passend formulierten: es gibt kein richtiges Leben im Falschen. Ich kann nicht gegen ein - unterschiedlich zu interpretierendes Posting hier im Sendegate opponieren, ohne dabei auch den Hauptwiderspruch anzugehen, nämlich das Format selbst zu unterstützen - sei es durch Zuschauen oder ironisch darüber reden oder eben ein Thema dazu hier im Sendegate aufzumachen.

Daher: ja die Wortwahl ist definitiv nicht ok und mindestens missverständlich, aber eine Haltung zu vertreten dass man für Podcasting-PR nicht auf das Dschungelcamp, also ein menschenverachtendes Format setzen möchte: das finde ich einen sinnvollen Beitrag, und da ist @arvid in seiner Entwicklung vielleicht weiter als ich.

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