Podcast küsst Radio: So hab ich mir das nicht vorgestellt, oder doch?

Hallo ihr alle,

ich neige sehr dazu, tendenziell immer gleich eine kritische Haltung einzunehmen und würde mich über eure Meinungen sehr freuen, die mir vielleicht das positive daran aufzeigen können:

Heute morgen im Halbschlaf erreichte mich folgende Email:

"Mein Name ist [XYZ} und ich betreue
die drei Bereiche Politik, Digitale Gesellschaft und Popkultur des
lokalen TV- und Radiosender ALEX Berlin.Seit dem 1. Oktober sind wir auch auf einer eigenen Berliner UKW -Frequenz -der 91,0 MHz -zu hören. Unsere Idee ist, auch den Podcasts aus Berlin eine Plattform zu bieten. Bei unserer Recherche sind wir auf Ihren Podcast Exponiert gestoßen. Wir
finden, dass der Podcast thematisch sehr gut zu ALEX passt und würden
uns sehr freuen, Ihre Inhalte auch bei uns ausstrahlen zu können. Was
wir anbieten können, ist eine Stunde Sendezeit in einem
zweiwöchentlichen- oder vierwöchentlichen Senderhythmus, je nach Größe
des Archivs. Die inhaltliche Sendeverantwortung würde natürlich bei Ihnen bleiben. Bei Bedarf unterstützen wir gerne, sollte Interesse bestehen Podcast Folgen hier bei uns im Studio aufnehmen zu wollen. Ich würde mich sehr freuen, wenn wir uns telefonisch diesbezüglich unterhalten könnten,[…] "

Sofort erwachte der Grummel in mir, der gesunde Menschenverstand folgte schleppend.

Mich stört folgendes:
Anscheinend hat XYZ nie meinen Podcast angesehen/mal reingehört:

  • denn für 1 Stunde Sendezeit habe ich KEINE Episode (1,5 - 3 Stunden)
  • auch eine Aufnahme im Studio bringt mir NICHTS (ich nehme ausschließlich mobil auf, nur ein einziges Mal im Wohnzimmer).
    Es fühlt sich also nach Massenmail an (“irgendeiner wird schon mitmachen.”).

Spürbar mehr Hörer:innen für mein Projekt bringt das doch nicht, wenn der gesamte Podcast dort ausgestrahlt wird, oder? Klar, für das Medium an sich bringt es Aufmekrsamkeit und das ist toll! Ich will mich nicht zu sehr an Statistiken aufhängen, aber am liebsten sind mir meine Hörerinnen doch auf meiner Webseite, bei meinem Feed, bei meiner Bildergalerie zur Ausstellung und der Kommentarfunktion. Ich stecke etwa 20 Stunden Arbeit in jede Episode, allein für die Rückmeldungen meiner Hörer:innen und das ist oft auch nur der Download. Ich hätte kein Problem damit, RADIO XY eine Episode ausstrahlen zu lassen, mit Hinweis auf die Webseite, vielleicht sogar Gespräch mit den Macher:innen (ähnlich wie bei FRITZ “Blogger privat” was ich total super finde!), aber den ganzen Podcast…?

Ich habe das Gefühl, auch schon bei manchen Gesprächen auf der Subscribe8, dass manche(!) Radiomacher:innen oder die die nach dem neuen heißen Content suchen, die freien Podcasts nicht als Kooperationspartner:innen ansehen, sondern Gratis-Content für ihren Sender abgreifen wollen.

Der Kuss zwischen Podcast und Radio fühlt sich dann wie eine schmutzige Bettgeschichte an, in der die eine Partei Gefühle für ihren Fuck-Buddy entwickelt hat…oder wurden die Erwartungen der beiden Parteien nicht kommuniziert? Noch nie habe ich mich bei dem Gedanken erwischt “Ich hätte gern eine Podiumsdiskussion dazu”, aber heute war es soweit.

Wie gesagt, ich bin immer super kritisch, schnell in meiner Meinung festgefahren und würde gern hören, welche krassen Chancen ich dadurch in diesem Fall komplett übersehe und warum jeder seinen Podcast dort austrahlen sollte und bin dankbar für jeden der meine Gedanken erhellt!

LG DieUlrike

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Hallo Ulrike,

ich neige prinzipiell erst mal positiv an eine Sache heranzugehen. Aber ich gebe Dir recht, auch bei mir läuten sofort Alarmglocken.
Eventuell lohnt es sich hier mal nachzuhaken, ob er deinen Podcast schon gehört hat. Außerdem würde ich ihm sagen, dass dein Podcast nicht als Radiosendung für 1 Stunde konzipiert ist (Formatgrenzen im Radio, Format Clock etc.). Aber eine Antwort kann nicht schaden.
Du kannst ihm ja anbieten, mit ihm zusammen, gegen Honorar, eine Radiosendung zu konzipieren, die in deren Format passt, aber ähnlich ist, wie dein Podcast. Nicht vergessen deinen Stundensatz mit anzugeben. In der Regel erübrigen sich dann Massenanfragen schnell.

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Auf eine Auftragsproduktion hätte ich so richtig Bock! Wenn ich nicht gerade Masterarbeit schreiben müsste o.O Danke für deine Rückmeldung! :slight_smile:

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Die Erfahrung habe ich auch gemacht.

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Deine Haltung wird meines Erachtens durch die Art der Kommunikation verursacht. Liest sich für mich nach viel copy-paste und da geht dann eben die Wärme verloren, die dich zu dem “Fuck-Buddy”-Gedanken bringt. Hab mal auf der anderen Seite gesessen, solche Mails hatten keinen Erfolg. Daher: Du reagierst ganz natürlich.

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Aus der Mail geht, wie du schon gesagt hast, ein fehlendes Verständnis für das Medium Audiopodcast hervor, deine Reaktion ist berechtigt. (Wobei ein öffentlich-rechtlicher offener Kanal noch sympathischer die nächste werbefinanzierte geschlossene Plattform o. Ä., wie ich finde.)

Wenn Sie dir kein Geld geben möchten, kannst du das ja möglichst unkompliziert für dich regeln:

  • Entweder wird die komplette Folge ausgestrahlt oder gar nichts.
  • Die CC BY-NC-SA 4.0 muss eingehalten werden, außer du vergibst Sonderrechte für diesen Sender.
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Das ist sowas wie ein Bürgerradio nicht? http://www.alex-berlin.de/alex/daten-fakten.html
Gezahlt wird dort dann eher nichts (nur weil das oben schon einmal aufkam). Ich mag Bürgerradios und offene Kanäle, meist gibt aber wenig Berührungspunkte zur Podcastszene, da es in diesen Sendern eine komplexe Struktur hat, mit vielen Menschen, mit vielen Interessen, die sich da engagieren.

Gerade da dort eine Durchlässigkeit gar nicht so einfach zu erreichen ist, fände ich Podcasts, bei denen es vom Format passt, so ein Zusammenspiel durchaus nett und legitim. Das trifft bei Exponiert allerdings nicht zu und für ein 1-stündiges Museumsformat ist es - nachvollziehbar - gerade nicht der richtige Zeitpunkt.

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Ähm, woher kommt die Erwartung eine Geschäftsbeziehung müsste eine Romanze sein? Dass dir die Anfrage lieblos vorkommt, würde ich nicht persönlich nehmen. Die kritische Haltung aufgrund von Anzeichen mangelnder Einarbeitung kann ich nachvollziehen. Tatsächlich ist das hier aber die Gelegenheit durch eine Antwort zur Sensibilisierung auf der anderen Seite beizutragen, selbst wenn man nicht wirklich vorhat auf das Angebot einzugehen.

Für mich ist das eine dieser Situationen, wo man sich nur mal den Umkehrfall vorstellen muss. Wieviele Podcaster, die der Meinung sind, ihren Podcast sollte man auch im Radio hören, würden sich erstmal über das Radiogeschäft und Programmgestaltung informieren, um zu verstehen, wir ihr Podcast dorthinein passt und nicht stattdessen einfach zwanzig Sender auf gut Glück anschreiben?

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Achso, da fehlt der Zusammenhang: Das kam von einem Ausspruch auf der Subscribe8. Dort hieß ein Vortrag: “Podcast küsst Radio”. Und gerade weil unsere Projekte von Herzen kommen und mit Leidenschaft von uns in der Freizeit produziert werden, kann man den Vergleich schon ganz gut ziehen, finde ich. Da muss von der anderen Seite auch etwas Liebe zum Medium Podcast zurückkommen XD

Ich würde mich definitiv erst informieren und dann gezielt Sender anschreiben, in deren Sendungskonzept es passt. So arbeite ich schon immer und ich würde mir wünschen, dass auch andere es so machen. Sonst kann man ja keine sinnvollen Kooperationen eingehen, sondern erreicht vielleicht nur Hau-Ruck-Aktionen.

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Ich hab den gleichen Ansatz leider eben auch schon von “richtigen” Radiosendern gehört. Also die auf der Suche nach Podcaster:innen sind, die kostenlos Content für sie produzieren. Diese Entwicklungsrichtung finde ich nicht schön.

Also zumindest werde ich eine Antwort an XYZ senden und nett darlegen, warum ich das in dieser vorgeschlagenen Form nicht so cool finde.
Ich fände ja eine Radiosendung, in der Podcasts empfohlen werden und dann eine komplette Episode ausgestrahlt wird, total geil! Sowas würde ich sogar ehrenamtlich auf die Beine stellen, weil es beiden Seiten etwas bringen würde. Content für das Radioprogramm und Aufmerksamkeit für die Podcasts! Vielleicht schlage ich das dort mal vor, gerade weil dieses Radio eher Richtung Bürgerradio angesiedelt ist.

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Die Anspielung war mir bewusst. Ich habe das Bild vom Kuss allerdings als glücklichen Einzelfall verstanden, wo der “Dreier” aus Person, Podcast und Programmradio harmonisch funktioniert und sich ähm… auch Podcast und Radio mal küssen? Du warst schon bei romantischer Liebe versus promiskuitiver Sexualität. Das ist immer so das Problem mit davonlaufenden Metaphern, meine gerade eben inklusive. :wink:

Gut, du wurdest ja anscheinend auch ungefragt angeschrieben. Verständnis des Mediums kann man ab einem bestimmten Zeitpunkt erwarten, ich weiß eben nicht, ob wir da schon sind bzw. wieviel man bereits erwarten kann. Leidenschaft ist meines Erachtens aber schon Zuckerguss.

Nur würde ich eben auch nicht unterschätzen, was schon aus mancher Hau-Ruck-Aktion später geworden ist. Oft fängt es mit einem Flirt an.

Ein Opfer für die Sache. :slight_smile:

Breitband von Deutschlandradio Kultur hat gerade erst einen Magazinteil mit Podcastvorstellungen eingeführt. (Zum Beispiel letztes Wochenende.) Eine komplette Folge werden die freilich nicht senden. Für ein Radio mit freierer Programmgestaltung klingt das aber nach einer schönen Idee.

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Ich verstehe zwar die Erstreaktion, würde aber dazu raten keine negativen Absichten zu unterstellen. “Assume positive intent” sagen die Amis und recht haben sie.

Zum einen könnte eine solche Sendung wirklich auch ein Forum zur Bewerbung Deiner Formate sein. Warum nicht ein wenig schneiden um auf die 50 Minuten zu kommen und 10 Minuten darauf verwenden auf den zusätzlichen Content im Podcast hinzuweisen?

Oder vielleicht lohnt auch eine Rückfrage beim Sender? Evtl. Haben die ha sogar einen Sendeplatz für die komplette Sendung o.ä.?

Alles in allem finde ich es nett, dass sie nachfragen und Interesse bekunden. Dass die da erst mal mit der “Radiobrille” rangehen sähe ich erst einmal entspannt…

LG //D

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Es gibt halt Liebesbeziehungen und es gibt Business. Das Angebot Content gegen Reichweite ist faires Business. Man weiß, was geboten wird und kann es ablehnen oder nicht. Das Angebot erst gar nicht zu erhalten, erhöht die eigenen Optionen auch nicht. Vielleicht gibt es Podcaster, die sich für solche Angebote interessieren.

Danke für deine Antwort und besonders den Sendungshinweis! Das klingt gut, solche Formate sind ein schöneres Beispiel für einen Flirt :wink:

Lieber Dirk,

rückfragen werde ich auf jeden Fall!
Schneiden werde ich allerdings definitiv nicht, dafür brauche ich schon mehrere Stunden für die normale Folge :slight_smile: Eine komplette Episode würde ich für die Ausstrahlung auf jeden Fall zur Verfügung stellen, das fände ich cool und es würde bestimmt noch ein paar Museumsinteressierte erreichen. Mal sehen, ob die damit auch etwas anfangen könnten.

Vielleicht kann man ihnen ja einen Podcastmonokel anreichen und ein etwas netteres, gemeinsames Projekt erschaffen! Danke für deine Rückmeldung!

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@dieUlrike Was ist hier eigentlich draus geworden?

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