Podcast als Staffeln - Pro & Contra


#1

Innerhalb unseres Podcastteams herrscht Uneinigkeit, ob wir unseren Podcast im Staffelformat produzieren sollten. Regelmäßige Folgen bekommen wir nicht gebacken. Pro Jahr kommen wir auf ca. 6 Folgen. Wir diskutieren nun, ob es besser wäre, die geringe Folgenzahl auf Halde zu produzieren und dann als Staffel in 14tägigem Abstand rauszubringen. Dann gäbe es den Podcast immer nur einmal Jährlich ein viertel Jahr lang. Die Alternative wäre, jede Folge nach der Aufnahme zu senden, wobei zwischen den Episoden immer ca. zwei Monate liegen würden.

Habt Ihr dazu eine Meinung?


#2

Verstehe nicht, was der Unterschied ist? Wann die erscheinen mach ja keine Staffel aus.
Ändert sich den etwas durch ein Staffel?

Also ich weis natürlich was Du meinst.

Vielleicht kann man aus den “wenigen” Episoden durch aus, eine Staffel definieren.
Z.B.: in dem man ein Staffel Cover macht. Jede Staffel bekommt ein neues Poster.

So lange dort solch eine Idee oder Absicht, eine Episode “gezielt” so zu publizieren, dahinter steckt, sehe ich persönlich wenig Grund, neue Episoden auf Halde zu legen.


#3

Sehe da auch wenig Sinn drin… Im TV macht man ja die Staffeln eher aus Budget-Gründen. Der Sender gibt das Budget für X Folgen frei… Und das ist dann eben eine “Staffel”.
Imo macht das eben auch nur bei ähnlichen Szenarios Sinn…

Wenn Ihr auf Halde produziert, würde ich die Folgen trotzdem möglichst gleichmäßig verteilen. Also wenn Ihr 6 Folgen pro Jahr produzieren könnt, würde ich halt alle zwei Monate eine Folge veröffentlichen.

Wobei ich betonen muss, dass ich noch neu in der Podcastszene bin und andere besser einschätzen können, was da gut und richtig ist.

Gruß, Dave


#4

Ich finde es immer besser, die Folge so schnell wie möglich nach der Aufnahme zu veröffentlichen. Liegt eine Folge zu lange rum, will man eh wieder dran ‘schrauben’ oder noch was einfügen. Ist sie erstmal ‘draußen’ fällt das alles weg :wink:

Und sollte sich noch was aktuelles ergeben, auf das man eingehen will, ist dass dann auch immer ungeschickt…


#5

Das macht aus meiner Sicht nur Sinn, wenn die Folgen der jeweiligen Staffel sich alle um ein zentrales Thema ranken und das dann von verschiedenen Gesichtspunkten/Aspekten beleuchten.

Wenn sich die Staffeln alle in derselben Themensauce bewegen, ist es lediglich der Versuch, die Leerphasen zu kaschieren, wobei dann zwangläufig (wie @john_dillinger anmerkte) die Aktualität auf der Strecke bleibt.


#6

Ist glaube ich Typ-Sache. Wenn ich da bei einem Audio-Projekt einmal einen Mixdown gemacht, und die fertige MP3 auf der Platte liegen habe, ist die Gefahr bei mir da nicht so groß.

Ich glaube, das hängt dann aber sehr stark vom Thema ab… Wenn Du einen Podcast über die Flüchtlingsentwicklung machst, ist es was anderes als wenn Du einen Cast über die Filme der 30er Jahre produzierst.


#7

Staffeln können ein gutes Werkzeug sein, um klare Sendezeiten an Hörende zu kommunizieren. Wir haben damit bei Puerto Patida gute Erfahrungen gemacht. Wir haben als Produzenten nicht die Möglichkeit die Sendetermine der nächsten Jahre festzulegen und aufzulisten. Bei 10 Episoden in 20 Wochen lässt sich das aber ganz gut planen, zumal wir vor Staffelbeginn den Handlungsbogen und einzelne Episoden vorplanen. Zwischen den Staffeln gibt es dann eben eine Pause, die sich ebenfalls besser kommunizieren lässt, als irgendein Loch zwischen zwei beliebigen Episoden. Staffeln fühlen sich bei Puerto Patida richtig an.


#8

Mal andersrum gefragt: Wieso kann man die ohne Staffeln schlechter kommunzieren? Würde für mich wirklich nur dann Sinn machen, wenn man auf Halde produziert und die dann auf einmal raushaut.

Und klar, vom Format her, ist es kein Problem einfach alles rauszuhauen. Aber meiner Meinung nach entwertet es die einzelne Folge.

Ich sehe das auch gerade bei Serien… Früher im TV konnte man es gar nicht bis zur nächsten Woche abwarten, bis die nächste Folge rauskam, da war das noch was besonderes. Heute zieht man sich im Zweifelsfall an 'nem Wochenende mal eben 'ne ganze Staffel rein.

Man sieht ja, dass Amazon da bei den eigenen Serien da auch gerade experimentiert. Einige kommen folgenwiese und einige werden als ganzes rausgehauen.

Ist sicherlich nicht falsch das mit den Staffeln (vor allem bei eher Hörspielartigen Produktionen), das sind die Leute immerhin vom Fernsehen gewohnt. Ich glaube aber, dass man die Zuhörer letztlich mit regelmäßigen Erscheinungsterminen ohne unterbrechung besser und länger bei der Stange hält. So ist jede Folge nämlich noch ein kleines “Event” und man freut sich drauf. Und man hat nicht das Risiko, dass User bei längeren Pausen denken, dass da nix mehr kommt und den Cast abbestellen.

lg, Dave


#9

Eine Staffel ist ein Bündel von Episoden. Staffeln geben Episoden also einen Rahmen und damit Struktur. Wenn eine Anzahl Folgen eine Gemeinsamkeit hat (z.B. thematisch oder anhand der Sendezeit), kann man damit leichter kommunizieren, dass sie zusammengehören.

Wieso?

Den Vergleich verstehe ich nicht. Staffeln gab es doch auch “früher” schon.

Staffeln schließen regelmäßige Erscheinungstermine nicht aus. Staffeln lassen sich im Podcast kommunizieren und der de-abonnieren-Impuls sollte nicht größer sein, als z.B. bei einem Format, das nur alle 2 Monate erscheint, statt 12 Wochen lang 14-tägig und dann 40 Wochen gar nicht, solange klar ist, dass nach den 40 Wochen wieder eine neue Staffel erscheint. Bei vielen Formaten ist es weder sinnvoll noch möglich durchgängig Folgen zu produzieren.


#10

Der Pro-Gedanke der Staffeln war der:

  1. Eine Staffel ermöglicht es den Hörern, den Podcast in das regelmäßige Wochenprogramm einzuplanen. Soweit ich das mitbekommen habe, mögen Podcastabonnenten regelmäßige Formate. Hoaxilla bekam ja quasi schon Morddrohungen, wenn sie nicht Sonntags pünktlich zu einer bestimmten Uhrzeit online standen. Youtuber berichten auch darüber, dass Hörer unzufrieden werden, wenn sie sich nicht auf Publikationsthrythmen verlassen können.

  2. Erscheinen Folgen unregelmäßig und in monatelangem Abstand, entsteht keine Hörerbindung. Wir produzieren einen Horrorpodcast. Eine Folge dauert bei uns genau eine Stunde und ist mit festen Rubriken typisch wie ein wöchentlich erscheinendes Format aufgebaut. Wir würden also immer damit schließen, dass wir uns in zwei bis drei Monaten dann wiederhören. Daran gewöhnt sich keiner. Mittels Staffel kann man kommunizieren, dass jährlich z.B. von Oktober bis Dezember Horrorzeit ist.

Wie gesagt, regelmäßige Erscheinungstermine ohne Staffeln sind bei uns nicht machbar. Pro Jahr werden es ca. 6 Folgen, von denen wir nicht vorhersagen können, wann sie möglich sind. Manchmal gehen auch zwei Folgen in einem Monat, dafür kommt dann wieder vier Monate nix.


#11

Pro & Contra sind vielleicht auch themenabhängig. Podcasts mit lebensnotwendigwertvollen Themen sind aus meiner Sicht nicht so Abhängig von einer Hörerbindung wie reine Unterhaltungswerke. Aller paar Wochen oder Monate eine Stunde Unterhaltung - das wäre ein etwas seltsamer Slogan.


#12

Wenn es um Hörerbindung geht, könnte der Umstand, dass der Versendung im Block ein Dreivierteljahr Wartezeit gegenüber steht, aber auch abträglich sein. Ich weiß nicht, ob sich das so klar entscheiden lässt. Eine Regelmäßigkeit kann man auch bei Gelegenheitsproduktion über Taktung erreichen. Also vielleicht immer alle drei Monate eine Folge (alle zwei, bei sechs pro Jahr?) und wenn man tatsächlich mal zwei auf einmal produzieren kann, dann hält man die zweite zurück und hat dann entsprechend Luft für die übernächste.

Hmhm, das will man natürlich. :smiley:


#13

Mal vom reinen Staffel-Gedanken weg, finde ich, dass es bei einer geplanten “Serie” von 6 Folgen im Jahr durchaus sinnvoll, “auf Halde” zu produzieren - schon alleine um garantieren zu können, dass pünktlich alle zwei Monate eine neue Folge erscheint. Dies kann man dann ja auch in den jeweiligen Podcasts zu kommunizieren und damit in gewisser Hinsicht “spielen” (z.B. “Alle zwei Monate, jeden zweiten Mörder-Mittwoch” oder sowas ;)). Eine Veröffentlichung von zwei Folgen im Monat und dann ewig lange nichts halte ich hingegen (jetzt mal rein subjektiv) einen heißen Kandidaten für potentielle Hörerflucht, da bei mir ein Podcast mit so langer Pause wahrscheinlich aus dem Feed fliegen würde, weil ich dann denke, er ist eingestellt.


#14

Ein anderer Aspekt ist, Produktion einmal im Jahr bedeutet Feedback oder im Nachhinein aufgefallene Probleme oder Verbessungsideen können erst im nächsten Jahr angepasst werden. Das ist bei fortlaufender Produktion natürlich anders.


#15

Geht hier wohl nicht um die beste Lösung, sondern um das kleinere Übel. Zwischen den Staffeln laufen Hörer weg, das stimmt. Aber damit sie überhaupt weglaufen, müssen sie erstmal angekommen sein. Und da stehen die Karten für kleckerweises Publizieren schlecht. Über einige Wochen kann man zumindest Ansatzweise eine Hörerbindung aufbauen.


#16

Unser Team ist über die Frage inzwischen zerbrochen und wir stellen den Podcast ein :sob:.


#17

Oh nein, was für ein plot twist! Mein Beileid.


#18

Ich hoffe mal, dass das ironisch gemeint war…


#19

Nein, ist so. Kompromisse sind was für andere :wink:


#20

Hallo,

der Thread ist schon etwas älter, aber gerade aktuell für mich. Zusammen mit einem Freund bringe ich gerade ein neues Projekt an den Start und wir haben bereits eine komplette “Staffel” aus 6 Folgen aufgezeichnet und fertig editiert.
Die Frage für mich ist nun, sollen wir wöchentlich eine neue Folge veröffentlichen, oder die Staffel zweiteilen? Oder gleich bingemäßig die ganze Staffel an einem Stück raushauen?

Zeitlich gesehen arbeiten wir in “Bursts”, viel Offline Recherche zur Vorbereitung und dann nehmen wir gleich mehrere Episoden an einem Tag auf - und das im Abstand von ca. einem Monat. Ein Wochenrhythmus ist daher, glaube ich, nicht das richtige für uns.

Die 6 Folgen sind in sich stimmig und “zeitlos” - es geht um Agave Destillate (Tequila, Mezcal) und sind eine Mischung aus Information, Kultur und Verkostung. Wir wollen einerseits vom richtigen Zielpublikum gefunden werden aber andererseits auch nicht gleich wieder vergessen werden.

Hat da jemand Erfahrungen gemacht?