Nun denn: Auswertung.
Ich wiederhole meine erste Einschätzung und zementiere sie: Dein Podcast hat bei diesem Sender praktisch keine Chance, und das liegt nicht an dir.
Die Analysen haben ergeben, dass der von mir ausgewertete Vormittag lautheitstechnisch so heterogen ist, dass dynamisches, sauber exportiertes Material lautheitstechnisch absäuft.
Nun war das zwar „nur“ Musik, aber selbst bei (vermutlich) unterschiedlich vorproduzierten Shows muss man da am Lautstärkeregler fummeln.
Deine einzige Möglichkeit wäre lediglich:
Aber der wiederum müsste deinen Podcast für diesen Sender so derartig plattbügeln, dass da null Dynamik (und damit wohl auch der Charme der Produktion) verloren ginge.
Private Meinung: Tu’s nicht.
Von einem wirklich sehr erfahrenen Techniker habe ich gelernt:
„So viel wie nötig, so wenig wie möglich.“
Mein Rat: Halte dich daran. Es steigert den Hörgenuss.
Dann gehe ich mal ins Detail.
Zunächst zwei Stunden, die auf mich wie Content wirkten, also fertig angelieferte Shows mit einer Länge von je 60 Minuten. Und je nach dem, wie laut oder leise die angeliefert wurden, werden sie auch ausgespielt.
Die Stunde von 03-04 Uhr (oben) nutzt quasi LOUDMAX bei vermutlich 0 dBfs, während die Stunde von 04-05 Uhr (darunter) ohne erkennbaren Grund leiser ausgespielt wird. Die Produktion wurde offenbar anders angeliefert.
Hier zeigt sich also schon der erste - auch messbare - Lautheitssprung, ohne dass ein Podcast beteiligt wäre. Aber ein brauchbarer Hinweis ist das allemal.
| Sendung |
integr. Lautheit (LUFS) [gem. ITU BS.1770] |
Loudness Range (LRA) |
Peak max. (reconstr.) |
Peaks > 0 dBfs / Min. |
| Querbeet 03-04 Uhr |
-7,6 |
5,1 |
+ 0,3 |
6,27 |
| Querbeet 04-05 Uhr |
-13,1 |
5,7 |
+ 0,1 |
0,14 |
Zwischenfazit: Keine Ahnung, was da so alles im Soundprocessing werkelt, aber mindestens ein dBfs-Limiter ist dabei, der wohl auf 0 dBfs getrimmt ist. Die Pluswerte kommen vermutlich aus mp3-Anlieferungen und den damit zwangsläufig verbundenen intersample peaks, aber da wird’s nun wirklich hardcore technisch.
Später gab es Sendestunden mit einer klassischen Musikrotation, also Titel für Titel mit der eigenen, im Ausspielprozess nicht normalisierten Lautheit.
Da gab es am Morgen zwei thematische Sendestrecken zu je zwei Stunden:
Dass die Lautheitskurve hier Achterbahn fährt, bedeutet für den Hörer: Bitte immer wieder nachregeln.
Die Messwerte über je zwei Stunden können hier nur Durchschnittswerte widerspiegeln.
| Sendung |
integr. Lautheit (LUFS) [gem. ITU BS.1770] |
Loudness Range (LRA) |
Peak max. (reconstr.) |
Peaks > 0 dBfs / Min. |
| BoyBands |
-11,3 |
12,4 |
+ 0,2 |
3,55 |
| Frauenpower |
-9,8 |
10,5 |
+ 0,5 |
2,39 |
Wenn man sich jetzt vor Augen hält, dass in allen vier Sendestunden einfach nur gängige Popmusik gespielt wurde, überraschen die Lautheitsunterschiede schon. Es ist ein Beleg dafür, dass auf eine durchgängige Lautheit in der Ausspielung keinen Wert gelegt wird.
Besonders auffällig sind meines Erachtens die hohen LRA-Werte (das sind Durchschnittswerte!). Selbst bei Kuschelrock, Chill oder Jazz werden solch hohe Werte in aller Regel nicht erreicht. Auch das spricht für unterschiedlich laut ausgespielte Titel im Messszeitraum.
Besonders gespannt war ich dann aufgrund der bisherigen Erkenntnisse noch auf zwei musikalisch verschiedene Sendestunden: Oldies und Ballermannhits.
Ich wurde nicht enttäuscht:
Wenn also die Automation innerhalb einer Sendestunde die Pegelsprünge mehr oder minder ungefiltert durchlässt… naja, zum Podcast komme ich noch.
| Sendung |
integr. Lautheit (LUFS) [gem. ITU BS.1770] |
Loudness Range (LRA) |
Peak max. (reconstr.) |
Peaks > 0 dBfs / Min. |
| Oldies |
-13,6 |
9,6 |
0,0 |
0,02 |
| Ballermannhits |
-9,8 |
8,0 |
+ 0,6 |
47,67 |

Das ist der erste Block mit Messwerten.
Erstmal sacken lassen.
Durchatmen, Pause.
Um ehrlich zu sein, das würde mich ob dieser Werte auch mächtig wundern.
Die weniger wohlwollende Interpretation lautet: „Denn sie wissen nicht, was sie tun.“
Wenn wir im ersten Teil schon nachweisen konnten, dass der Sender mit seinem ureigenen Material (Musikrotation) überfordert zu sein scheint, müssen wir jetzt schauen, ob und wie wir den Podcast da unterbringen können.
Ich habe mir die Episoden 050 bis 055 von der Webseite heruntergeladen und analysiert. Eine gewisse Schwankungsbreite ist drin, aber nichts, was den Hörer erschrecken könnte.
| Episode |
integr. Lautheit (LUFS) [gem. ITU BS.1770] |
Loudness Range (LRA) |
Peak max. (reconstr.) |
Peaks > 0 dBfs / Min. |
| 050 |
-16,5 |
4,1 |
-1,2 |
0,0 |
| 051 |
-16,8 |
6,4 |
-0,9 |
0,0 |
| 052 |
-16,8 |
6,6 |
-0,1 |
0,0 |
| 053 |
-18,9 |
4,3 |
-5,1 |
0,0 |
| 054 |
-15,5 |
7,9 |
0,0 |
0,1 |
| 055 |
-16,0 |
9,7 |
-1,7 |
0,0 |
|
|
|
|
|
| Ø |
-16,8 |
6,4 |
-1,5 |
0,0 |
Für die Freunde der gepflegten Grafik habe ich die Episoden 053 und 054 gegenübergestellt:
Die Frage, ob das jetzt mit dem Sendepegel des Radios kompatibel ist, dürfte damit rhetorischer Natur sein: Bei diesen Werten kann man deinen Podcast nicht so hochprügeln (und das sollte man auch gar nicht).
Deine Wahrnehmung:
… lässt sich also mit Fakten untermauern.
Okay, die „unterschiedlichen Lautstärken“ (innerhalb deines Podcasts?) deuten auf ein nicht eindeutig nachvollziehbares Soundprocessing beim Sender hin, aber rein von der Lautheit her, die ich bei dir vollkommen in Ordnung finde, kommst du bei dem Radio nicht klar. Und umgekehrt gibt es dort offenbar niemanden, der damit umzugehen weiß oder, schlimmstenfalls, keine Person, die sich dafür auch nur im Ansatz interessiert.
Tut mir wirklich leid für dich, aber das sind die Fakten.
Tja, nochmal zurück zur DAB+ Existenz: Senden die wirklich noch terrestrisch? In den radioforen haben die ja schon, wie bereits beschrieben, ihr Fett wegbekommen.
Ich will dir ja nicht unbedingt von der Verbreitung über diesen Sender abraten (das ist deine persönliche Entscheidung), aber vielleicht gibt es bessere Sender, wer weiß?
Viel Erfolg und alles Gute,
Uli