Das Polardiagramm beschreibt ja - streng genommen - auf den ersten Blick nicht den Klang, wohl aber die „Einbußen“ der getesteten Frequenz in dB in Abhängigkeit vom Einsprechwinkel.
Ein ausführliches (und gut lesbares - seufz -) Polardiagramm zeigt nun, welche Frequenz(en) wie unterschiedlich auf die Veränderung des Einsprechweniels reagieren, und erst aus dem Mix lässt sich dann eine Einschätzung der Klangeinbuße ableiten.

Mein Fetisch lautet: Ich steh’ auf breite Nieren. :sunglasses:
Und damit zu Deiner Frage:

Ich nehme gerne so auf wie es das Gehör natürlicherweise auch gewohnt ist.
Dazu gibt es diesen berühmten Satz „ein Raum muss klingen“ (nein, damit ist nicht Hall gemeint!) - sprich, die trockene Umgebung im Sinne einer Sprecherkabine oder eines Aufnahmeraums ist für andere Zwecke gedacht als für ein Interview zu zweit oder ein Gespräch mit einer Band.

Insofern:
:white_check_mark: Diffusion im Raum entspricht dem,was wir täglich hören.
(Randnotiz: Mikrofone nehmen Reflexionen mitunter stärker auf als wir sie tatsächlich wahrnehmen)
:white_check_mark: Nebengeräusche sind erlaubt, denn sie gehören zur Atmo.
:white_check_mark: Mikrofondisziplin ist kein Hexenwerk!
:white_check_mark: Authentizität rules.

Neulich hat ein Entwickler einer DSP-Software davon berichtet, er wolle ein Tool entwickeln, das per Telefon aufgenommene Interviews deutlich verbessert. Die ersten Tests waren ernüchternd.
Die Ablehnung der Testgruppe resultierte darin, dass der Hörer bei einem Telefoninterview auch einen Telefon-Klang erwartet und sich bestens darauf einstellen kann. Eine Verschlimmbesserung irritiert unser Gehör nur. Was soll das denn?

Nun bin ich in der Welt der Webcaster mit dem Medium vertraut geworden und nicht als Podcaster. Da mögen die Blickwinkel unterschiedlich sein.

Und auf die Schnelle habe ich euch noch eine „schmutzige“ Sprechprobe produziert:

Technik & Aufnahmesituation:
Røde M3 an Steinberg UR242, aufgenommen mit Hindenburg Journalist; nur Schnitt, keine weitere Nachbearbeitung. Mikrofonabstand ca. eine Handlänge, abweichender Einsprechweinkel ca. 30°, nackte Tischplatte und TFT als Reflexionsfläche auf 180°, geschlossener Aktenschrank auf 0°.