iTunes - für Euch moralisch völlig unbedenklich?

Man kann das iTunes Podcast Directory gerne kritisch sehen (ich tue das), muss aber am Ende des Tages immer noch feststellen: es ist mit Abstand der offenste Dienst für Podcaster überhaupt und hat vermutlich mehr zum Erfolg des Podcastings beigetragen als irgendwas sonst (inklusive der Integration von Podcasts in das Programm iTunes).

Man muss nichts zahlen, man muss nichts unterschreiben, man muss auf nichts verzichten (außer Porn) und that’s it.

Alle anderen Dienste kommen da ganz anders daher, und zwar alle. Die wollen alle mit Deinen Inhalten Geld verdienen, dir nichts abgeben, dir die Statistiken aus der Hand nehmen und lassen sich umfangreiche Rechte einräumen. Tracking, Walled Garden, alles mit dabei.

Von daher kann ich diesem erhitzten “OMG Apple ist ein kapitalistisches Unternehmen”-Geschrei wenig entnehmen. Mit Verlaubt, aber @Fantastanaut scheint sich hier ein Feindbild geschaffen zu haben und sucht jetzt nach tausend Gründen, warum dieses gerechtfertigt sein könnte. Da kann man sicherlich irgendwo fündig werden, aber ausgerechnet der Podcast-Bereich gehört da sicherlich nicht dazu.

Wenn Du was kritisieren willst am aktuellen Modell, da fände sich einiges, hat aber mit Deiner bisherigen Argumentation wenig zu tun:

  • Apple tut wenig, die Syndication-Formate weiterzuentwickeln (hat aber mit den iTunes-Extensions am Anfang einen großen Beitrag geleistet)
  • sie dokumentieren ihr MP4-Kapitel-Format nicht
  • sie lassen zunehmend Metadaten aus ihrem UI raus (Subtitles)

Alles jetzt nicht so derBrüller. Auf der Haben-Seite wiederum:

  • Das Verzeichnis ist kostenlos
  • Das Verzeichnis hat kein NDA/EULA etc.
  • Das Verzeichnis hat eine API und steht anderen Apps und Verzeichnissen offen
  • es funktioniert seit 10 Jahren weitgehend zuverlässig und stabil

Aus all dem kann ich einfach kein Doomsday Szenario ableiten. Bei Google, Stitcher, Deezer und wie sie alle heißen kann ich gleich absätzeweise Entmachtendes aus den EULAs rauskopieren.

Was Apple betrifft laufen gerne immer alle schnell heiß. Ehrlich gesagt verstehe ich in den seltensten Fällen, warum. Ich habe nichts dagegen, Apple an den Pranger zu stellen, wenn es angemessen ist, aber ich sehe hier einfach den Punkt nicht. Sorry. Nur weil etwas kommerziell ist, ist es ja nicht gleich böse. Die Metaebene ist auch “kommerziell”, mein Welt-Bedrohungspotenzial hält sich IMHO aber noch im Rahmen.

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Hallo Tim, ich verlaube zurück.

Und stelle klar: ich sehe Apple & iTunes kritisch, aber nicht(!) als Feind. Von daher interpretierst Du mich falsch!
Es ging mir einzig darum, klarzumachen, dass auch iTunes in letzter Instanz kommerziell agiert und wir Podcaster (die, die sich bei iTunes eintragen) unbezahlte Werbebotschafter von iTunes werden. Also ist iTunes nicht das Licht und YouTube, tuneIn oder radio.de etc. sind eben nicht die Teufel selbst. Jeder sollte selbst abwägen & möglichst viele Aspekte dabei berücksichtigen. Es ist immer gut, sich Markt-Mechanismen bewusst zu machen. - Im Übrigen glaube ich, dass viele “normale” Kunden denken, die Podcaster bekommen etwas von Apple dafür, dass sie ihr Angebot bei iTunes einstellen. Auch das finde ich einen interessanten Aspekt, weil auch dadurch iTunes aufgewertet wird, ohne dass es wirklich was tut.

Darauf wollte ich einfach mal hinweisen, die ein oder andere - durchaus auch zu bedenkende - Spitze sollte der Sache etwas Würze geben. Denn natürlich ist Apple im Kern nicht “böser” als McDonalds, VW, Microsoft oder Saturn. Aber - es ist eben auch nicht besser.

Ich denke im Übrigen nicht, dass ein Apple-Vorstand das, was ich im Eingangs-Statement geschrieben habe als komplette Lüge oder gar als Verleumdung sehen würde. Da gestehe ich diesem Giganten-Konzern zu, dass er es (vermutlich) mit Humor nehmen würde. Auch Könige haben sich früher Hofnarren gehalten.

Eine besinnliche Weihnachtszeit wünsche ich.

Ergänzung: ich habe überhaupt nichts gegen Podcaster, die mit ihren Podcasts Geld verdienen. Das habe ich auch wirklich nirgendwo geschrieben (gerne nachschauen). Ich habe prinzipiell Respekt vor allen Podcastern, ob sie mir ihren Podcasts Geld verdienen oder auch nicht.

Kurz und gut: Warum bezahlen Podcaster eigentlich nicht dafür, dass sie auf den Distributionsplattformen (so nenne ich diese “Kaufhäuser” mal jetzt) erscheinen dürfen?
Streng genommen reden wir über eine win-win - Situation.

Im Einzelhandel z.B. ist es recht schwierig, mit seinen Produkten gelistet zu werden.
Könntet ihr euch mit euren Produkten einen Platz im “Regal” erkämpfen?

Mit Webradios ist es genauso. Jeder will gehört werden, aber wie locke ich Hörer an?

Wenn ich einen Blog betreibe oder einen Video-Kanal, ist es nicht anders. Es ist mein verdammter Job, das Ding zu bewerben und attraktiv zu halten.
Bietet mir nun jemand an, mich bei der Distribution zu unterstützen, ist es meine Abwägung, darauf einzugehen: Verkaufe ich meine Seele oder nehme ich gewisse Nachteile billigend in Kauf? Welche Gier ist größer?

Das Doomsday-Szenario wäre wohl eher, wenn Apple spontan entscheiden würde, sich nicht mehr für Podcasts zu interessieren und das Verzeichnis dicht macht. Denn das größte Problem ist wohl, dass es keine echte Alternative mit so einer Reichweite gibt. Die Überlegung sollte weniger sein “ist iTunes unmoralisch” sondern “kann es eine bessere Alternative zum iTunes-Verzeichnis geben”.

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Kann es geben, aber bisher hat sich da niemand hervorgetan. Alle Podcast Clients mit eigenen Verzeichnissen, öffnen diese nicht. Alle offenen Verzeichnisse taugen entweder nichts oder haben keine nennenswerte Unterstützung durch Clients bzw. beides (bedingt sich ja auch).

Eigentlich müsste die Frage sein “sollte es eine Alternative geben” und das kann ich nur bejahen und unterstreichen. Das nächstbeste, was unsere Community hervorgebracht hat ist fyyd, aber das tut noch wenig im Hinblick auf Client Support, denn dafür bräuchte es einerseits eine stabile API mit garantierter Uptime für Browsing und im Idealfall auch noch Syncing. So ein Commitment kostet Zeit und Geld. Da wird es schwierig und deswegen sehen wir das nicht.

Für Apple lohnt sich die Investition in das Verzeichnis, weil sie damit ihrem Hardware-Business ein Ökosystem (die Podcasts) erschließen, was ihre Produkte attraktiver macht. Das ist der Deal und der ist soweit okay. Google probiert gerade ähnliches, macht aber mal wieder viel falsch (aus meiner Perspektive). So sieht es so aus, als ob wir noch lange im Status Quo verharren, wenn kein Goldener Ritter hinter den Hügeln erscheint.

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ich will etwas zum Diskussionsstil hier sagen, den ich teils sehr bedenklich finde. Dafür zitiere ich @timpritlove > Nur weil etwas kommerziell ist, ist es ja nicht gleich böse. Die Metaebene ist auch “kommerziell”, mein Welt-Bedrohungspotenzial hält sich IMHO aber noch im Rahmen.

Dies ist nur ein Beispiel. Ich könnte andere anführen. Es handelt sich um eine Antwort auf einen Beitrag von mir. Hier wird also versucht, den Anschein zu erwecken, als hätte ich irgendwo etwas gegen Podcaster gesagt, die mit Podcasts Geld verdienen. Und es wird versucht, meine Position u. a. so zu diskreditieren. - Ich habe aber an keiner einzigen(!) Stelle etwas gegen Podcaster gesagt, die mit Podcasts Geld verdienen (gerne nachlesen!). Im Gegenteil - ich selbst bin Freiberufler: ich habe sogar großen Respekt von Podcastern, denen es gelingt, mit ihren Podcasts Geld zu verdienen. Ich habe auch nirgendwo etwas gegen kommerzielles Handeln generell gesagt! Ganz im Gegenteil, ich vertrete sogar die Position, dass frau/man sich in möglichst viele verschiedene nicht-kommerzielle & kommerzielle Verzeichnisse (auch iTunes) eintragen sollte. Ich sehe nur nicht, warum der Eintrag ins iTunes-Verzeichnis “ethischer” oder “un-ethischer” ist, als der Eintrag in andere Verzeichnisse (wie es hier wohl manche sehen)? - Warum wird also versucht mich hier zu diskreditieren, meine Position mit einer bewusst falschen Darstellung ins Lächerliche zu ziehen? Keine echten Argumente? Einfach ein Machtspielchen? Ich weiß es nicht, finde es aber interessant. Vieleicht der ein oder andere auch.

Ein anderes Theam: @sofakissen Den Einwurf von Daniel finden @timpritlove und ich interessant. Genau das ist nämlich die Frage: Apple kann mit einem Wimpernschlag entscheiden, dass es alle Podcaster aus iTunes rauswirft. Oder Apple kann auch z. B. sagen, wir verkaufen iTunes an Coca-Cola oder an Saturn. Und Saturn ändert dann die Politik gegenüber Podcastern. Nur auf ein einziges Verzeichnis zu vertrauen, ist gefährlich.

Eher wird der BER eröffnet als dass das passiert. Apple stellt ja auch ihren eigenen Content da rein, zum Beispiel auch die Meet the Musician Events die in den Stores stattfinden. Sie wären also mehr als dumm wenn sie Podcasts aus iTunes streichen.
Auch wird Apple iTunes nicht an irgendwen verkaufen, warum auch.

Frag doch mal den Ottonormal Podcaster ob er sich um die moralische Frage schert? Dem wurde gesagt “Dein Podcast sollte bei iTunes drin sein, damit du gefunden und gehört wirst”

Mal ein anderes Beispiel warum das Podcast Directory von iTunes einiges für sich hat:
Ich hab Dienstag Nacht (20.12.16) ein Feed eingereicht der nichtmal zwei Stunden später schon approved war. (Rekordzeit übrigens, afaik) (und das obwohl Wochen vorher etwas von einer Submission Deadline von iTunes kommuniziert wurde die schon lange vorbei war)

Hm? Wer macht das? Also ich nicht, ich sage nicht in jeder Episode dass der Podcast bei iTunes ist und iTunes ganz toll ist, etc. Das zum Beispiel ist eine Bedingung von Stitcher!

Wie Tim schon richtig sagte, es bräuchte eine Alternative es gibt aber keine. Alle anderen die gerade “auch das mit den Fähnchen” machen wollen haben völlig undurchsichtige Bedingungen wie man denn als Podcaster bei ihnen reinkommt, sind geschlossen und auf der Anwenderseite siehts auch nicht besser aus.

Was willst du jetzt eigentlich sagen/bezwecken? Das nicht alles bei Apple toll ist, wir aber trotzdem dort unsere Podcasts haben? Erzähl uns was neues bitte :wink:

Ich möchte kurz für Gelassenheit werben. Ich glaube niemand wollte dich diskreditieren, am allerwenigsten @timpritlove. Das hier ist ein schriftliches Medium, da sind Missverständnisse vorprogrammiert… Die Diskussion ist interessant, sollte aber auch unideologisch bleiben finde ich

Frohe Weihnachten und liebe Grüße!
//D

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Der Unmut über Spotyfy @ Co wirkt meines Erachtens ziemlich emotional. Das lässt schon den Verdacht zu, dass Normvorstellungen verletzt werden. @Fantastonaut, du argumentierst nun, dass diese Normverletzung gegenüber iTunes nicht empfunden werden. Solange Podcasterseitig Kritik gegen iTunesalternativen aufs Kommerzielle zielt, a la, die wollen mit unserem Zeug nur Geld verdienen, gebe ich dir Recht - das ist keine schlüssige Kritik, da iTunes damit auch Geld verdient. Der Unmut wird sich daher einfach über die Art des Geldverdienens entzünden. Das hat sicher was mit dem podcasterischen Freigeist zu tun. Solange die Podcaster freie Hand haben, nichts bezahlen müssen und ihnen nicht ins Konzept gepfuscht wird, ist es auch ok, wenn sie selbst die Werbung sind. Die Moral, von der du Eingangs sprachst, ist in der Szene wohl keine am Kapitalismus, sondern an eingeschränkter Sendefreiheit: Ich bin solange bereit, die Werbung für iTunes zu sein, solange mich iTunes in Ruhe lässt und nix ungefragt für irgendwas nutzt. Insofern löst sich dein Widerspruch auf.

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Es ist nicht das “die wollen Geld mit uns verdienen” sondern Dinge wie: [quote=“timpritlove, post:21, topic:4542”]
[…]dir die Statistiken aus der Hand nehmen und lassen sich umfangreiche Rechte einräumen. Tracking, Walled Garden, alles mit dabei.
[/quote]
Außerdem ist es bei allen völlig unklar wie man dort unter welchen Bedingungen seinen Podcast reinbekommt und die die drin sind dürfen es nicht sagen (wie z.B. bei Spotify)

Und wo verdient iTunes mit (meinen) Podcasts Geld? Wohl eher nur indirekt.

Nein, das wurde nicht versucht. Ich habe nur versucht zu erläutern, dass das Wort “kommerziell” wenig moralische Tragweite per se hat. Reg dich ab.

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Ihr Kasperköppe versucht Probleme zu lösen wo keine sind :slight_smile: . Niemand muss iTunes bzw. das Verzeichnis benutzen. Wer es moralisch oder warum auch immer nicht nutzen möchte, muss man es ja nicht. Die meisten von uns sind aber voll auf Downloadzahlen-Droge. iTunes ist der einfachste Weg diese Sucht zu befriedigen… Was nicht heißt das @timpritlove ein Drogenboss ist - ich schweife ab.

Ich glaube aber dennoch, die ganze Diskussion ist Kappes! Ohne das iTunes und/oder sein Verzeichnis wären die meisten von euch nicht auf dieser Plattform. Ich gehe soweit und sage keiner! Weil Podcasts nie so groß geworden wären.

Wir müssten lieber mal was machen und die kleinen Podcasts, und ich meine auch mich aber nicht nur, mal etwas anschieben.

Mahlzeit! Bastian

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Word, Digga!

-Karol-

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