iTunes - für Euch moralisch völlig unbedenklich?

Durch meinen Post zu radio.de habe ich erfahren: Podcasten hat sehr viel mit Moral zu tun.

Dann frage ich in die Runde: iTunes ist also moralisch super-okay?

Kurze Stichworte aus meiner Sicht:

  • iTunes ist eine hoch-kommerzielle Verkaufsplattform.
  • iTunes zensiert nach Gutdünken: Link (Beispiel) http://www.spiegel.de/netzwelt/netzpolitik/itunes-app-store-wie-apple-inhalte-zensiert-a-692005.html
  • iTunes exportiert US-amerikanische Moral- und Wertevorstellungen nach Europa & in die Welt.
  • Apple & iTunes haben sehr viel Marktmacht.
  • Der iTunes Mutterkonzern Apple steht u. a. für maximale Steuervermeidung, maximale Shareholder Value, schlechte Arbeitsbedingungen für die Arbeiter bei Zulieferern, überteuerte Produkte …
  • Datenschutz: iTunes ist ein Extra-Programm bzw. eine APP, die sehr viele Daten erhebt (sogar - in der Regel - Kontodaten!).
  • ist diese APP bzw. das iTunes Programm in der Lage zumindest Teile der Festplatte & Teile der Smartphone-Inhalte auszuspähen? (bei mir versucht iTunes auf dem Laptop übrigens sich immer wieder zu den Programmen zu schmuggeln, die bereits beim Hochstarten automatisch Mit-Hochfahren. Ich schmeiß’ es dann immer wieder mal aus den Start-Programmen)

Wie seht Ihr das?

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Ich sehe es ganz ähnlich wie Du, deswegen kommt mir auch nichts von Apple ins Haus. Trotzdem sind die meisten meiner Produktionen auch auf iTunes zu finden. iTunes ist nun mal das große Podcastverzeichnis und ich bin mehrfach gefragt worden, warum die eine oder andere Produktion nicht auch bei iTunes zu finden ist. Deshalb habe ich Bekannte gebeten, die Feeds für mich anzumelden. Insofern sehe ich meine Inhalte auf iTunes eher als “Dienst am Hörer”, als als aktive Beteiligung an der iTunes-Community.

Ich hatte den radio.de-Thread bisher nicht gelesen, nach dem ersten Überfliegen sehe ich bei radio.de als einzigen Nachteil, dass dort im direkten Umfeld meines Podcasts geworben wird. Sprich: Da verdient jemand Geld mit meinen Inhalten. Das habe ich bei anderen Portalen wie podcast.de auch, aber iTunes nicht. In diesem einen Punkt ist iTunes für mich unproblematischer, als andere Verzeichnisse.

Edit: Tippfehler eingefügt.

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ich denke, wir sind hier fast exakt einer Meinung. Auch mein Podcast ist übrigens bei iTunes gelistet. Ähnlich wie bei Dir aus rein pragmatischen Gründen: Da sind viele (potentielle) Hörer, da will ich auch sein.

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Ich denke, es geht auch nicht unbedingt um iTunes als App/Programm/Produkt, sondern um iTunes als Directory. Viele andere Directories ziehen sich indirekt die Daten von dort, daher ist es auf jeden Fall sinnvoll, dort gelistet zu sein. Ich selbst nutze auch nicht iTunes, um Podcasts zu abonnieren, aber dennoch profitiere ich davon, wenn ich einen Podcast-Feed suche.

PS: Ihr müsst durch Podcasts Connect selbst gar kein iTunes haben, um Feeds einzureichen (ja, ihr braucht eine Apple-ID).

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Nach nicht so super Erfahrungen mit Soundcloud kommen als Distributionsplattform weder Radio.de noch iTunes noch sonst wer in die Tüte. Gerade weil man nicht weiß, wann einem kommerziellen Betreiber der ROI durch Podcast nicht mehr reicht und Services einstellt werden. Mir reicht die Auffindbarkeit bei Google und fyyd.de - mehr muss ich nicht haben.
All hail RSS!

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Das hängt zunächst einmal sehr von Deinen Moralvorstellungen ab, die ich nicht kenne. Allerdings sind in Deiner Aufzählung auch ein paar Fehlannahmen drin.

  • “iTunes ist eine hoch-kommerzielle Verkaufsplattform”: Podcasts werden nicht im iTunes Store verkauft, sondern im iTunes Podcast Directory gelistet. Das sind zwei grundverschiedene Dinge, die lediglich im Programm iTunes zusammenlaufen. Kann man doof finden, aber eine Unterscheidung ist trotzdem angemessen.
  • “iTunes zensiert nach Gutdünken”: ich halte den Begriff “Zensur” hier für unangemessen, allerdings bezieht sich dein Beispiel auf den App Store, für den andere Bedingungen gelten (siehe oben)
  • “iTunes exportiert US-amerikanische Moral- und Wertevorstellungen nach Europa & in die Welt.”. Ob sie hier wirklich exportieren sei mal dahingestellt, richtig ist, dass sie ihre Wertvorstellungen zur Anwendung bringen. Was die Podcasts betrifft schließt das im wesentlichen Porn Content aus, womit ich noch leben kann. Ich kann nicht ausschließen, dass es andere Beispiele gibt, aber ich habe in 10 Jahren ehrlich gesagt noch von keinem Fall des expliziten Ausschlusses gehört (was nichts heißen muss)
  • “Apple & iTunes haben sehr viel Marktmacht.”: Da weiß ich jetzt ehrlich gesagt nicht, welche Moralvorstellungen hier berührt werden.
  • “Der iTunes Mutterkonzern Apple steht u. a. für [zahlreiche schlimme Dinge]”: Tja, kann man so sehen, teile ich allerdings nahezu gar nicht die Ansicht.
  • “Datenschutz: iTunes ist ein Extra-Programm bzw. eine APP, die sehr viele Daten erhebt (sogar - in der Regel - Kontodaten!)”: Von welchem Daten redest Du, wenn du von sehr viele Daten sprichst? Da habe ich wohl was verpasst. Kontodaten werden imho nicht erfasst, nur Kreditkarten-Informationen, was für eine App, bei der man Dinge via Kreditkarte kaufen kann, nicht sehr überraschend ist.
  • _“ist diese APP bzw. das iTunes Programm in der Lage zumindest Teile der Festplatte & Teile der Smartphone-Inhalte auszuspähen?”. Gute Frage. Ist irgendeine App in der Lage auf Deinem System so was zu tun? Vermutlich. Tut iTunes das? Ich weiß es nicht. Du offenbar auch nicht.

Kurz gesagt: viel Lärm um nichts. iTunes mag morgen Teil der Weltverschwörung werden, heute allerdings ist das Podcast Directory mit Abstand das fairste Angebot auf dem Markt. Schau Dir die Bedingungen von Google, Stitcher, TuneIn, Spotify usw. an, da rollen sich mir die Fußnägel hoch.

Bei iTunes gilt eigentlich nur: mach kein Porn und wir listen (kostenlos) Deinen Podcast (nach einem kurzen Review, dass da alles stimmt). Ende der Durchsage. Meine Moral macht da mit.

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Hallo Tim, ich finde Deine Anmerkungen sehr differenziert & interessant.

Allerdings bleibe ich der Ansicht, dass das iTunes Podcast Directory & der iTunes Store wie schon die Namen sagen beide zu iTunes gehören. Die Podcasts schlüpfen also im Teilbereich einer insgesamt hoch-kommerziellen Verkaufsplattform unter.
Ich verstehe & akzeptiere Deinen Einwand bei der Zensur, halte den Zensur-Vorwurf (natürlich aus meiner persönlichen Sicht) aber aufrecht. Ein weiterer Link dazu: https://www.welt.de/wall-street-journal/article112176467/Apple-zensiert-nachtraeglich-Lieder-bei-iTunes.html - Hier geht es nicht um den App-Store.
Marktmacht: damit meinte ich, dass Apple und iTunes dadurch in Verhandlungen zum Beispiel Einstellern Bedingungen diktieren können.
Frage zum Gebaren des Mutterkonzerns Apple: Wirklich alles super für Dich? Hier ein Beispiel-Link: http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/apple-in-irland-50-euro-steuern-fuer-eine-million-euro-gewinn-a-1110150.html
Kreditkarten-Infos sind für Dich keine Daten?? Und Kreditkarten-Infos enthalten keine Zahlungs- bzw. Kontodaten?? iTunes merkt sich außerdem z. B. die Gewohnheiten, was der Nutzer vorher aufgerufen hat. Es geht mir hier - primär - nicht um mich als Einsteller, es geht darum dass der User / der Podcast-Hörer ausspioniert wird.
iTunes ist auf dem PC/Laptop ein Extra-Programm, es kann potentiell mehr Daten erheben / ausspionieren. Das ist bei rein Internet-basierten Lösungen schwerer möglich. - Die iTunes APP für Mobilphones spioniert sicher sowieso. - Im übrigen hatte ich die Frage nicht abschließend beantwortet, sondern an die “Techniker” gestellt. Darf ich doch, oder?

Ja, ich mag Distributionsplattformen auch nicht.
Das iTunes Podcast-Directory ist aber technisch keine Distributionsplattform, da iTunes weder den Feed noch die Audio-Dateien in irgendeiner Weise anfasst oder umleitet, alles kommt direkt von deinem Server. Du kannst dir das wie ein Telefonbuch vorstellen: Eine lange Liste von RSS-Feed-URLs. Aber anrufen abfragen musst du die selbst.

Das heißt im Umkehrschluss: Wenn es iTunes nicht mehr gibt oder es Blödsinn macht, kannst du die URLs immer noch abfragen. Nummern, die du dir einmal aus dem Telefonbuch auf einen Zettel abgeschrieben hast, kann dir ja auch niemand wegnehmen, wenn der Telefonbuchverlag zu macht oder ein Einbrecher dein Telefonbuch manipuliert.

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Es ist eine individuelle Einstellung, wie weit man die Beziehungskette hinslichtlich ‘eine Plattform verdiene Geld mit meinem Podcast’ betrachten will. Das kostenlose Podcastangebot ist zwar werbefrei, stärkt aber dennoch den iTunes-Store.

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genau! Im Prinzip wird jeder Podcaster, der sich bei iTunes einträgt (ich auch), zum unbezahlten Werbebotschafter des multinationalen Konzerns Apple + von iTunes. Und Apple hat keinerlei Kosten, es nutzt einfach die eh vorhandene Infrastruktur seiner Verkaufsplattform. Wir machen völlig gratis Werbung für Riesen-Kommerz. Da lacht sich jemand in der Marketingabteilung von Apple ganz bestimmt noch heute ins Fäustchen. Die Idee ist aber auch wirklich zu gut …

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Das Prinzip iTunes und Podcasts ist ja nun wirklich nicht schwer zu begreifen. Es heißt: geben und nehmen

Und wer nicht geben will, der soll auch nicht nehmen. Dann aber bitte konsequent.

Was ich partout nicht begreifen mag, wie man iTunes - frei von Kosten - zum eigenen Vorteil nutzt und gleichzeitig darüber mault. Für diese Logik fehlt mir persönlich jegliches Verständnis.

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Wer genau tut das denn?

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Hm… gilt das nicht eigentlich auch für alle anderen Plattformen über die wir hier immer wieder mal diskutieren? Spreaker, deezer, tunein, spotify… alle kostenlos, zumindest gebührenfrei.

//D

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Ja, so einfach ist das mit dem Individualverhalten halt nicht. Hat irgendwas eine Monopolstellung, ist man als Einzelner schnell ausgeschlossen, will man sich nicht beteiligen. Für die Gültigkeit eines Arguments ist das eigene Handeln auch nicht notwendige Bedingung.

Soweit ich den Eingangspost verstand, wollte er nur eine Diskrepanz dahin aufzeigen, dass die normativen Gründe, mit denen z.B. Spotify abgelehnt wird, aus seiner Sicht bei iTunes ausgeblendet werden. Ich habe kein Problem mit iTunes, finde den Gedanken aber interessant.

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/ jenseits podcast /

Einiges von dem, was Du kritisierst, gilt so im übrigen auch für facebook und amazon, um mal zwei Beispiele herauszugreifen.
Wo sind denn da die Moralvorstellungen und die - notwendigerweise - daraus folgenden Konsequenzen seitens der Nutzer?

Nein, ich will damit nichts entschuldigen. Aber ich würde mich freuen, wenn einige Bedenken auch konsequent in Kundenverhalten umgesetzt würden statt nur darüber zu lamentieren.

/ Ende des Denkanstoß /

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Hallo Uli, genau darauf wollte ich hinweisen.

Ich selbst gebe doch zu, dass ich in letzter Instanz inkonsequent bin. Nur - hilft es, Zusammenhänge komplett zu verleugnen? Erst einmal ist es doch gut, Zusammenhänge & Funktionsweisen zu erkennen. Oder? Dafür braucht doch jeder nur die Augen im Discounter aufzumachen - an den meisten Kassen gibt es den 50-Euro iTunes Gutschein. Und mir ging es ehrlich gesagt auf den Keks, das einige es ja richtig(!) sehen, dass Plattformen wie ja auch Facebook oder YouTube oder Radio.de oder Spotify kommerziell sind. Das sind sie, aber Apples iTunes ist es eben auch. Und zwar kräftig!

Mir kam heute morgen im Auto ein Bild: Ein Podcaster bei iTunes ist wie ein Klavierspieler im Foyer eines Mafia-Spielcasinos. Wer sein Auto abstellt, darf umsonst die Architektur des Foyers genießen, er darf dem Pianisten lauschen, er bekommt gratis Käsehäppchen und - wenn er mag - vergünstigte Drinks.

Aber der Pianist im Spielcasino wird fürs Spielen fair bezahlt. Und kriegt einmal abends sogar ein dickes fettes Steak (wenn er Vegetarier ist, machen die ihm vermutlich sogar ein Soja-Steak).

Ich habe noch kein Steak von Apple bekommen und finde es u. a. deshalb nicht ehrenrührig auf die Zusammenhänge hinzuweisen.

Bitte, Leute “glorifiziert” wenigstens iTunes & Apple nicht. - Oder braucht jemand zusätzlich zum Augen-Zupressen am hellichten Tage noch die Schlafmaske?

Einfach mal vielen Dank für die Unterstützung. Und für die gute Analyse! Kam mir schon etwas alleine vor.

Naja, ich sehe das ja nun nicht so kritisch wie du. :wink: Ich weiß nicht genau, ob iTunes böse ist. Ich fand lediglich einige Gegenargumente nicht überzeugend.

ich wollte Dich auch nicht komplett vereinnahmen. Aber immerhin findest Du das ein oder andere bedenkenswert. Dafür dass Du das auch äußerst, danke ich.

Mir geht es auch nicht darum, das man/frau meine Ansicht komplett teilt. Es geht darum, dass “Gut-Böse”, wie hier oft argumentiert wird, manchmal nicht so leicht zu trennen ist. Für mich ist ein Kaufhaus (= Apple iTunes) mindestens(!) genauso kommerziell wie ein kommerzieller Radio- oder Fernsehsender. Ich gehe auch in Kaufhäuser, manchmal kauf’ ich da auch was, aber ich leugne nicht, dass sie kommerziell sind.

Böse und gut sind hier völlig ungeeignete Kategorien. Wir reden letztlich von Technologie und Geschäftsmodellen. Da muss jeder für sich festlegen welche Bedingungen passen und welche nicht.

Ich sehe jedenfalls itunes längst nicht so unkritisch wie viele hier und halte umgekehrt die anderen nicht für verteufelungswürdig.

Die Grenzen, die viele ziehen sind oft recht willkürlich und dienen mehr dem eigenen Narrativ als einer sachlichen Betrachtung…

So gesehen finde ich die Diskussion hier spannend…

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