Ist Stereo lauter als Mono?


#1

Schönen Heiligabend, wenig Stress und viel Freude für euch. Eine (sicherlich nicht die lezte Frage) habe ich da noch:

Aus Reddit habe ich diese Aussage zum Thema LUFS / LKFS in Podcasts extrahiert und übersetzen lassen (Deepl).

Die US-Norm für BROADCAST ist -24 LUFS und die EU-Norm ist -23 LUFS. Diese ist über das gesamte Programm integriert und nicht über kurzfristige oder momentane Lautstärke.

Bei digitalen Geräten ist der Standard anders. Es sind -16 LUFS mit -14 LUFS auf Spotify und einigen anderen Plattformen. Ich glaube, habe aber selbst nicht gelesen, dass Apple auch diese -14 LUFS für einen Podcast-Standard vorgeschlagen hat, obwohl ich immer noch -16 LUFS anstrebe.

Diese Zahlen sind für Stereo. Mono-Produktionen sind 3 LUFS leiser, da sie in jedem Ohr auf Stereo-Kopfhörern und -Lautsprechern dupliziert werden, was die Lautstärke um 3 LUFS verdoppelt. So ist -19 LUFS der Vorschlag für die meisten Monopodcasts.

Kann jemand diese Aussage verifizieren? Mir ist bisher nicht aufgefallen, dass Stereoaufnamehen doppelt so laut seien, wie Mono, was ich jeweils für eine Spur verwende, aber dann zu einer Stereosummenspur rendern lasse.

Vielleicht liegt es ja nur an der Alterung des Gehörs und ich rätsele über ein offenenes Geheimnis. Wie geht ihr vor?

Übersetzt mit www.DeepL.com/Translator


#2

Na, da ist ja mal ein echtes Blutdruck-Thema.
Im Grunde genommen reden wir hier über reine Mathematik. Wenn dann aber noch Begriffe akustisch verschwurbelt werden, wird es meist katastrophal.

Zunächst einmal: Die EBU R.128 ist eine Empfehlung für -23 LUFS (ITU BS.1770 integrated) bei max. -1 dBFS PPM sowie, streng genommen, einem LRA nicht größer als 15. Dies sollte aktuell für das Fernsehen gelten, um Lautheitssprünge im Programmaterial zu verhindern. Eine klare Anweisung dazu findet sich bei der RTL-Gruppe zu Werbespots, die eindeutig besagt, wie die Spots angeliefert werden müssen.

Im Radiobereich greift das aktuell noch nicht. Das hat technische Gründe (wer ganz tief einsteigen möchte, sucht nach dem Zusammenhang zwischen UKW-Ausstrahlung und -18 LUFS) und wenn es an Webstreams geht, wird es ganz schlimm.
Selbst wenn wir im digitalen Bereich einen Sektor zwischen -23 und -18 LUFS (±1, wie immer) definieren, dann wird er von fast allen Anbietern großzügig nach oben verfehlt. Die selbst ernannten Ziele von -16 oder -14 LUFS sind pure Fantasie.

Randnotiz: -14 LUFS absolut entsprechen +9 LUFS relativ. Das hat aber rein gar nichts mit dem headroom der -9 dB der analogen Aussteuerungsmesser aus dem ARD-Pflichtenheft zu tun!

Jetzt also zur Mathematik. Auch hier braucht es eine grundsätzliche Klärung, die ich schon seit Jahren - meist vergeblich - unters Volk zu bringen versuche:

  • Zweikanaligkeit heißt nicht automatisch Stereo!
  • Zweispurigkeit kann sowohl Mono als auch Stereo sein.
  • Einkanaligkeit (von zwei Aufnahmespuren ist nur eine bespielt, kommt bei vielen Interfaces vor und soll auch so sein) ist kein Mono!
    (aber auch kein Stereo :roll_eyes:)
  • Stereo definiert sich nicht allein aus der Zahl der Spuren, sondern ist festgelegt aus der Laufzeitdifferenz, mit der ein (!) Schallereignis mit einer bestimmten Verzögerung auf die jeweiligen Mikrofone trifft.

Daraus folgt:
Mono ist immer L = R. Soll heißen: Du hörst auf beiden Seiten des Kopfhörers das gleiche Signal. Ob das jetzt von zwei Spuren oder von einer kommt, ist zunächst mal wumpe. Es ist und bleibt Mono. Die Anzahl der Spuren jedoch bestimmt beim Export in die Datei ihre Größe. Es ist also sinnfrei, Mono zweispurig zu exportieren, weil es das Hörerlebnis nicht verbessert.

Nun kommt es aber zu dem - mathematisch vollkommen richtigen! - Effekt, dass wenn Du zwei identische Monospuren (z.B. eine Stereospur, die L + R das identische Signal aufgezeichnet hat) addierst, also quasi zu “Mono” (ist es ja schon - zumindest akustisch! :roll_eyes:) zusammenführst, es zu einem höheren Gesamtpegel und im Extremfall sogar zu Peaks / Clipping kommt.
Allein deshalb empfiehlt es sich schon, eine Sprachaufnahme mit einem (üblicherweise) Mono-Mikrofon auch gleich auf einer Monospur aufzuzeichnen. Es gibt allerdings Puristen, die eben genau hier Stereospuren empfehlen, wobei ich dieser Logik noch nicht so ganz zu folgen vermag.

Jetzt kommen wir zum Widerspruch in dem von Dir gefundenen Zitat:
Das gesamte (!) Programmaterial - integrated - hat in seiner Lautheit den von Dir wo auch immer angesiedelten Zielwert zu erreichen. Es spielt dabei keine Rolle, ob es sich um Mono, Stereo, 2.1, 5.1 oder 7.1 handelt: Ziel ist immer ein Paar menschlicher Ohren, und genau da muss die Lautheit korrekt ankommen.
Da sowohl bei Mono als auch bei Stereo beide Ohren bespaßt werden (was mit der Anzahl der Kanäle in der DAW absolut nichts zu tun hat, um es gebetsmühlenartig zu wiederholen), ist der LUFS-Zielwert das einzige Limit.

Nochmal: Der einzig “echte” Unterschied zwischen Mono und Stereo ist, dass ein Schallereignis (z.B. Glockenläuten oder, aktuell, Silvesterknallerei), beide Mikrofone = beide Ohren zu einem unterschiedlichen Zeitpunkt im Millisekundenbereich erreicht. Dies ist für uns ein wichtiger Bestandteil der räumlichen Ortung.
Mit einer variierenden Lautheit hat das - von der rein mathematischen Spur-Addition mal abgesehen - absolut überhaupt nichts zu tun.

Es wäre vielmehr, würde man diese Argumentation konsequent durchziehen, ein eindrucksvoller Beleg für einen evolutionären Sprung in der Sinneswahrnehmung des Menschen.
Leider ist dem nicht so.
Weitere Kommentare hinsichtlich solcher “Erkenntnisse” möchte ich weiter nicht kommentieren, da sie gesellschaftspolitischer Natur wären und meinen Blutdruck nur weiter in die Höhe steigen lassen würden.