Einstieg in die Postproduktion oder: nach der Aufnahme kommt - was genau?


#1

Hallo zusammen,

zunächst einmal muss ich sagen, dass ich von der Community hier extrem beeindruckt bin. Ihr helft euch schnell, der Ton ist freundlich und viele Beiträge sind auch für Anfänger wie mich total verständlich. Viele meiner Fragen konnte ich schon durchs lesen beantworten und doch bleibt ein großes Fragezeichen im Kopf, das ich hier gern ansprechen möchte - auch auf die Gefahr hin, dass jetzt einigen Menschen der Kopf auf die Tischplatte fällt.

Ich habe mich - wie vermutlich viele Anfänger - durch viele Artikel und Screencasts gewühlt um die ersten Fragen nach Aufnahme, Konzeption, Bebilderung etc. zu klären. Soweit, so gut. Doch nun stehe ich an einer Stelle an der mir entweder die richtigen Keywords für die Suche fehlen oder es wirklich keine Hilfe gibt (was ich kaum glauben kann.

Das ist die Situation:

Ich arbeite am Mac mit Reaper/Ultraschall (und möchte daran auch gar nichts ändern). Nun habe ich die erste Folge aufgenommen und “Prepare all Tracks for editing” gedrückt. Doch was passiert nun?

Und ja, mir ist klar, dass die Postproduktion sehr individuell ist, aber gibt es so etwas wie die X Punkte, die ich auf jeden Fall checken sollte? Gibt es so etwas wie eine Basisanleitung oder ein “How to” in Sachen Audioschnitt?

Viele Grüße und schon mal herzlichen Dank

Katarina


#2

Was ich mache, ist folgendes:

  • Schnitt: Die Enden schneiden, das alles so ist, wie ich es haben will. Die Aufnahme läuft ja oft schon ein bisschen früher und ein bisschen länger als der eigentliche Inhalt. Innerhalb der Folge muss ich fast nie schneiden, das ist meinem Format geschuldet. Hier kann alles mögliche passieren, wenn Du es möchtest.
  • Räuspern/Husten mute ich mit dem Mute-Envelope in Ultraschall.
  • Dann stelle ich die Lautstärke ein, am liebsten mit dem Ultraschall dynamics Filter, sodass alle SprecherInnen gleich laut sind. Je nach Aufnahmequalität kann man hier ganz schön fummeln, wenn aber alles gut gelaufen ist, ist es eine Sache von drei Klicks.
  • Dann packe ich noch Equalizer passend zu den SprecherInnen auf die Spuren
  • Zum Schluss füge ich Kapitelmarken hinzu und mache das Projekt fertig für den Export (entlang des Ultraschall Wizards)

Dann alles als MP3 exportieren und auf beliebigen Publishing Plattformen hochladen.


#3

Hallo Katarina!

Bin selbst eher noch auf der Anfängerseite (Ep 7, woop woop), aber meine Meinung nach kommts ganz drauf an was du brauchst und willst.

Aktuell sieht mein Workflow ungefähr so aus. Also nach dem Aufnehmen sind meine Arbeitsschritte

  • Reste vorm Vorgespräch wegschneiden, der Interviewteil beginnt mit ‘Hallo Name!’
  • Kompressor/EQ auf meine Spur und die des Gesprächspartners (meistens ist die vom Partner via studio-link wichtiger als die von mir)
  • Rausschneiden von groben Versprechern und Wiederholungen (‘lustige’ Versprecher und fehler kommen als Outtakes ans Ende des Podcasts)
  • Muten von meiner Spur wenn der Gesprächspartner spricht (könnte auch mit Noisegate gelöst werden, aber ich mach es lieber händisch)
  • Setzen von Kapitelmarken und gleichzeitiges Mitschreiben der Shownotes
  • Intro und Outro einsprechen (mach ich immer extra vom Interview, klingt aber auch komisch, hier hab ich noch nicht die für mich perfekte Variante gefunden)
  • Export aller Spuren als einzelne Tracks (ich render in Auphonic)
  • Episodenbild via flickr (CC-BY CC-BY-SA Lizenzen) suchen und meinen Sleeve drüber legen. Am besten in den selben ordner als cover.jpg
  • Export der Kapitelmarken

Danach gehts zu @auphonic. Dort habe ich meine 2 Gesprächsspuren, eine Spur fürs Off (intro/outro) und eine für den Jingle. Mittlerweile ducke ich den Jingle nur noch in Auphonic da es zuverlässiger ist als einen ‘geduckten’ Track in Auphonic reinzuladen (jedenfalls für mich). Mit Auphonic hast dann viele Sachen gesäubert die zwar auch im Reaper möglich wären, aber mehr Wissen und Aufwand benötigen. Daher kann ich es eigentlich uneingeschränkt empfehlen.

Auphonic exportiert mir mein Werk dann auch gleich in 3 Audioformaten und wirft ein Video auf Youtube. That’s it. Aktuell hab ich ca 2 Stunden Aufwand für eine Stunde Podcast, je länger die Folge desto besser wird jedoch das Verhältnis (viel vom Overhead wie das Episodenbild und so sind ja immer gleich viel Arbeit).

Was reaper betrifft sind das eigentlich 90% der von mir verwendeten Funktionen:

  • Custom Keyboardshortcut für ‘mute track’
  • Custom Keyboardshortcut für ‘cut this part’
  • Custom Keyboardshortcut für ‘split’

kA ob dir das was hilft, aber so schaut jedenfalls mein Workflow aus.

Viel Erfolg mit dem Projekt und vergiss nicht es hier im Sendegate vorzustellen sobald was vorzeigbar äh anhörbar ist :slight_smile:

Lg,
Andreas


#4

Nachträglich? Merkst du dir inzwischen wo die Marken sind oder wie kann man das verstehen?


#5

danke @Joram, das sind genau die Informationen die mir weiterhelfen!


#6

danke Andreas, da waren vor allem betreffend Auphonic nochmal wichtige Informationen für mich dabei. Und super auch, dass du exakt geschrieben hast, welche Funktionen du in Reader verwendest. Danke!


#7

Ich glaube eine Stelle könnte noch hilfreich sein: was genau nach dem “Prepare for Editing” passiert.

Editing, klar. Aber dann: Klick in die Beschreibungsspalte der ersten Spur, in den grauen Bereich um die Beschriftung der Spur. Shift Klick in die Beschreibungsspalte der letzten Spur -> Alle Spuren sind ausgewählt.

43

(Klick unter Spur 1)

30

(Dann Shift+Klick unter Spur 2)

Jetzt exportieren durch Menü “File/Render”. Oben Source “Stem (selected tracks)” auswählen und dann (als Mono vermutlich, FLAC) rendern. Jetzt hast du alle Zutaten für Auphonic.


#8

Ich mache die nie live, weil es mich ablenkt. Bei meinem Interview Cast mache ich dann zum Schluss an jeden Fragenblock eine Marke.
Man kann das aber machen wann man möchte, es kann mitunter schon vor dem Schnitt hilfreich sein, Marken zur Orientierung zu haben.


#9

Nah, nicht live beim Gespräch. Aber während dem schneiden an sich halt. Klang aktuell so als würdest du es erst komplett fertig schneiden und dann erst die Marken setzen.

Sehr gute idee eigentlich, sollte ich mir auch angewöhnen und wenns nur unkommentierte Editmarks sind


#10

Diesen Schritt muss man nicht machen, das passiert automatisch wenn ihr unten links auf den Renderbutton klickt :wink:
An der Stelle auch nochmal der Hinweis: bitte immer den benutzen, der stellt wichtige Sachen ein (Alle Tracks markiert, Playrate auf 1.0 setzen, etc.) die nicht passieren wenn man über den Menü Punkt von Reaper selbst geht.


#11

Oh, danke!