Don't you like me?

Bewertungen aus heutiger Sicht.

Bewertungen sind eine mindestens zweischneidige Sache. Der Bewertete freut sich über eine gute Bewertung, auch im Vergleich zu Anderen, aber nicht über eine schlechte oder geringwertige Bewertung, selbst wenn diese ausschließlich objektiv ist.

Also dürfen, kurzgesagt, Bewertungen sein, wenn sie positiv sind, zumindest aber nicht negativ aufgefasst werden können.

In diesem Sinne ist ein ‘Like’ die ideale Bewertung. Für den Fall, dass man sie erhält, freut man sich, andernfalls weiß man nicht, was man verpasst hast und warum man kein Like erhalten hat.

Eine Vergleichbarkeit ist auch nicht richtig gegeben, denn der zeitliche Verlauf der Like-Vergaben macht die Vergleiche für die Nutzer sehr schwierig.

Was ist besser: 6.000 Likes am einem Wochenende, oder 73.000 Likes in einem Jahr, oder 1,4 Mio. Likes insgesamt?

Als Empfehlung haben Likes keine positiven Eigenschaften, sondern deuten lediglich an, wohin sich die Masse / das Publikum orientiert. Aber sie haben den Vorteil nicht etwas Negatives über den Empfänger zu beinhalten.

Wie ein ‘safe space’, in dem nicht gesagt werden darf, was als abwertend interpretiert werden könnte.

Letztlich gilt nur ein Maßstab: Der monetäre!

Wer sich außerhalb dieses Maßstabes stellt, der hat nicht nur ein Problem, sondern stellt auch ein Problem dar, nämlich für die Like-Kultur.

Ein Problem hat er, weil es keinen anderen Maßstab für die Bewertung gibt, als den monetären. Kann der nicht herangezogen werden, weil man sich ihm verweigert, so landet man mit seinem Projekt in der mollusken Masse der esoterischen Communityprojekte, die allesamt nicht ausreichend ernst gemeint sind / nicht ernst genommen werden sollten.

Denn richtige Ernsthaftigkeit lässt sich aus den Likes und dem resultierenden Kontostand ermessen. Schließt man sich von diesem Wettbewerb aus, so ist man nicht Teil der offiziellen Liga.

Unterstützt wird dieses kommerzielle System durch die Identitätspolitik, die jeden für individuell gut erklärt, die kleinste Unterschiede aufbauscht und die ‘Ehe für Alle’ um Potenzen stärker bejubelt, als die Einführung des Mindestlohns, von dem Millionen mehr Menschen profitieren. Nicht, dass jetzt alle genug hätten oder auch nur einen fairen Anteil, aber jeder darf jeden heiraten, so weit sind wir schon.

Hey, und die Stellenausschreibungen sind jetzt in gegenderter Sprache, auch wenn die Firma kaum den Mindestlohn zahlt und nur befristete Verträge anbietet.

Wir lassen uns verkaufen, Aufmerksamkeit sei ein Zeichen für Qualtität des Werkes; die Qualität eines Werkes, so meinen wir, lasse direkte Schlüsse auf die Qualität des Urhebers zu.

Polens meistbesuchte Stätte ich das ehemalige KZ Auschwitz. Haben die sonst nicht Sehenswertens, vielleicht etwas, was sie selber gemacht haben?

Wir könnten kaum falscher liegen!

Unser Lebensraum erleidet den Hitzetod, aber wir können noch nach Rom fliegen, weil wir ja den Flug bei Atmosfair überkompensieren.

Wir müssen uns nicht mit unseren Defiziten auseinandersetzen, weil sie uns nicht mehr aufgezeigt werden. Sollte dieser unwahrscheinliche Fall dennoch einmal eintreten, dann ist dieses Verhalten ‘toxisch’ und nicht angemessen, politisch inkorrekt, bestimmt von alten weissen Männern verübt.

Damit zur Sache: ich bin ein 57 Jahre alter weißer Mann und ich fordere objektive und subjektive Bewertungen. Auch und gerade für Podcasts. Weil auf diesem Spielfeld ein kommerzieller Wildwuchs entsteht, weil jeder, der in ein Mikro rülpsen kann, dafür eine vermarktbare Nische in seiner Nähe wähnt.

Es schadet nicht, sich nach Qualität umzuschauen, dafür Maßstäbe zu kreieren, auch wenn sie anfangs noch etwas krumm daherkommen mögen.

Besser noch ist es, diese Maßstäbe öffentlich zu machen, zur Verfügung zu stellen, flexibel und veränderbar zu gestalten und unter den gleichen Bedingungen zum Allgemeingut zu machen.

Was sich dann entwickelt, kann ich nicht vorhersehen, aber besser als ein endloser Strom bedeutungsloser Likes, ein Besäufnis mit Beliebigkeit, wird es allemal sein.

Ich werde mit der Podzension einen Anfag machen, einen etwas krummen Maßstab zur Verfügung stellen, jedem der ihn nutzen möchte, als Original oder variiert.

Niemand muss sich daran orientieren oder gar stoßen, aber jeder kann ihn zur Einordnung nutzen, wenn er denn möchte.

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