Danke für Deine ausführlichen Worte. Ich stimme zu, dass es durchaus ein Kultur-Problem ist, wenn Diskutanten aus unterschiedlichen Räumen kommen und unterschiedliche Diskursformen gewöhnt sind und diese schätzen. Es braucht einiges an Selbstreflexion um sowas zu durchbrechen. Ich hab vor zehn Jahren auch sehr viel toxischer, direkter und abwertender ins Netz geschrien. Mittlerweile ist das so dermaßen der Standard geworden, zuerst bösartig anzugreifen (reddit ist voll davon), dass ich mir große Mühe gebe, nicht noch mehr schlechte Laune im Netz zu produzieren. Es war ein Prozess dort hin zu gelangen, der auch sicher noch nicht abgeschlossen ist.
Nur als Chronistenpflicht: Es gab in der Pause noch einen sehr schlimmen Thread zu Werbung (ich glaube der hieß „Werbung in Podcasts Ja/Nein/Vielleicht“), der auch eskaliert ist. Der Thread ist mittlerweile nicht mehr aufzufinden, aber ich erinnere mich, dass ich [User] da hart angegangen bin, weil er da mit Begriffen wie „getriggert“ um sich geworfen hat, um andere Positionen abzuwerten. Dort wurde deutlich, wo das Problem lag: Nicht in seiner Positionierung als jemand, der Werbung blöd findet, sondern in seiner Herangehensweise, keinen Widerspruch zu dulden, immer und immer und immer wieder nachzubohren, wenn jemand nicht seiner Meinung war und dann immer wieder unterschwellig abwertende, beleidigende oder böswillige Begriffe in die Argumentation einfließen zu lassen. Ich hatte mir damals zur Regel gemacht, ihn sich kurz austoben zu lassen und dann anzusagen: „oh das ist wieder ein Thread gegen Werbung, der eskaliert jetzt und dann ist wieder ein paar Wochen Ruhe“ und manchmal war dann Ruhe. So richtig geholfen hat das aber nicht, weil es am Problem vorbei ging.
Um diesen Post hier noch mit einem konstruktiven Vorschlag enden zu lassen:
ich denke, eine Ombudsperson/Schiedsstelle/Ansprechpartner:in ist ein guter Weg, um solche Probleme künftig konzentriert sichtbar zu machen. Menschen, die sich angegriffen fühlen, wenden sich an die Person und die Person sammelt das in weniger dringenden Fällen bis es ein Gesamtbild gibt oder eskaliert das in dringenden Fällen gleich gemeinsam mit den Mods. Außerdem kann die Schiedsstelle das Gespräch mit dem/der Aggressor:in suchen, sollte es nach Versehen oder Unwissen aussehen. Mein Vorschlag wäre, die erste Stufe quasi per DM zu lösen, um keinen Pranger zu erzeugen, der eher die Defensive als Verständnis auslöst. Erst wenn der/die Aggressor:in gar keine Bereitschaft zum Überdenken (es geht nicht darum, die Meinung konform zu ändern, sondern bereit zu sein, diese und den Tonfall zu hinterfragen) der eigenen Position zeigt, wird es wichtig auch öffentlich Widerspruch zu zeigen, als Solidarität mit anderen und als Zeichen, dass ein schlechter Ton hier nicht willkommen ist.