Hallo, Otti,
interessante Frage, die du da stellst.
Ich verfolge diesen Ansatz: wenn die “Vorbearbeitung” stimmt, dann ist eigentlich keine Nachbearbeitung nötig, und das spart Zeit.
Zur “besten Stimme” für Podcast, lache nicht, kommt man, indem man- Trommelwirbel, Tusch - tatsächlich die beste Stimme verwendet (unbefriedigende Antwort, ich weiß). Tatsächlich sollten auch Nicht-Profis elementares Sprechtraining erwägen, denn das macht wirklich viel aus, weil sich ein entsprechend trainierter Sprecher auch entsprechend einfach aufnehmen lässt.
Ein Mikrofon, das ebenfalls zur verwendeten Stimme passt oder das dir hilft, deine Klangvorstellungen zu erreichen, spielt ebenfalls eine große Rolle. Mikrofone sind für Tonmeister das, was Pinsel für Maler sind. Möchtest du die Farbe lieber grobkörnig und dick auftragen, oder möchtest du ein feines, filigranes Gemälde erstellen? Oder möchtest du vielleicht beides? Geht durchaus, geht aber auch entsprechend ins Budget.
Der Signalweg spielt eine weitere große Rolle. Halte die Kabelstrecken kurz, verwende qualitativ gute (rauscharme!) Verstärker. Bedenke, dass Tonsignale, die du durch Filter (EQ) schickst, ebenfalls auf die ein oder andere Weise verstärkt werden. Die Notwendigkeit eines Filters kann man durch entsprechende Mikrofonwahl und -positionierung durchaus umgehen.
Achte auf qualitativ gute A/D-Wandler (ja, da gibt es große Unterschiede - leider auch preislich).
All diese Faktoren spielen auf dem Weg zur “besten Stimme” eine große Rolle.
Bei der Nachbearbeitung stellt sich generell die Frage, für welches Zielpublikum du produzierst. Hört dein Publikum unter audiophilen Bedingungen, oder hört es im Auto, bei der Arbeit, mit Kopfhörern auf dem Fahrrad usw.? Auch hier lässt sich keine schnelle Antwort geben, die du aber gerne haben möchtest (glaube ich zumindest). Hier mal ein kleiner Tipp für Audacity, das ich auch gerne verwende, weils nix kostet und extrem portabel ist und weil auch richtig gute Köpfe dafür entwickeln. Der Kompressor ist gar nicht mal so ohne (außer, dass er ohne wirklichen “Charakter” ist, aber darum geht’s ja jetzt nicht).
Für untrainierte Stimmen verwende ich fast die gleichen Settings, die ich bei sündhaft teuren Geräten, wie sie Drawmer, Manley, Pultec, Jünger und wie’se alle heißen, ebenfalls verwende. Versuch doch mal den Audacity Stock “Kompressor” (bei mir auf ALT+E+K):
Grenzwert: -21dB
Nebengeräusche: -40dB
Verhältnis: 4:1
Ansprechzeit: 0,1sek
Abklingzeit: 2,5sek
Idealerweise ist dabei deine “beste Stimme” vor der Aufnahme bereits vernünftig eingepegelt (-18 bis -9 dBFs). Das vom Kompressor berechnete Resultat kannste ja dann noch dementsprechend normalisieren, je nachdem wie “laut” du es haben möchtest. Würde mich freuen, wenn dir der Tipp hilft und sorry für die lange Antwort.
Happy podcasting
A.S.

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